Towards Eternity
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"Ich schrie nach dem Unfall zu Gott…" Ein Agnostiker konvertiert zum Islam!

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Ich wurde katholisch erzogen. Was passiert auf diesen Bildern an der Wand? Da war Jesus, wie er das Kreuz trägt. Immer wenn ich Fragen stellte, hieß es, ich sei frech und solle solche Fragen nicht stellen. In meiner Teenagerzeit habe ich mich von der Kirche abgewendet und bin hinaus in die Welt, um ein Leben im Action-Sport zu führen. Eines Tages war ich mit Freunden unterwegs. Wir entdeckten einen ziemlich coolen Ort, wo es jede Menge natürlicher Sprünge gab – geformt auf ganz verrückte Weise. Und da dachte ich mir: Okay, diesmal nehme ich richtig viel Tempo auf. So schnell, wie ich kann. Rauf auf den Sprung und senkrecht raus.

Und dann: „Oh nein!“ Ich fing an zu weinen und fragte mich: Was soll das alles? Was ist der Sinn von all diesem Kampf? Warum muss ich all diese Prüfungen bestehen – eine nach der anderen? Ich weiß nicht, wie ich dich nennen soll und nicht, wie ich zu dir beten kann, aber bitte – hilf mir einfach! Also erzählte ich es meinem Vater, der bei mir war. Es fühlte sich an, als hätte jemand anderes meine Zunge benutzt und durch mich gesprochen. Ich sagte zu ihm: „Vielleicht besuche ich eine Moschee, und vielleicht werde ich Muslim.“ Ich hatte vorher tatsächlich noch nie darüber nachgedacht, Muslim zu werden. Nie. Assalamu alaikum, Bruder Yusuf. Danke, dass Sie unserer Einladung gefolgt sind.

Wir freuen uns sehr, Sie hier zu haben. Wer ist Yusuf? Können Sie uns kurz etwas über Ihr Leben erzählen? Wa alaikum assalam, Bruder. Danke, dass ich da sein darf. Ich komme ursprünglich aus Wales. Mein Name ist Joseph, Yusuf ist einfach die Übersetzung davon. Ich wurde katholisch erzogen. In meiner Teenagerzeit habe ich mich von der Kirche abgewendet und bin hinaus in die Welt, um ein Leben im Action- und Extremsport zu führen. Ich hatte Erfolg in dieser Karriere, aber erfüllt hat sie mich nicht. Und so wurde ich letztlich wieder zu Gott geführt und kam auf diesem Weg zum Islam. Alhamdulillah. Wie war Ihr Leben vor dem Islam? Woran haben Sie geglaubt? Ich wurde römisch-katholisch erzogen.

Es war kein Ort, an dem man wirklich offen über das Thema Gott sprechen konnte, wissen Sie? Ich war oft in der Kirche. Ich war auf einer katholischen Schule. Während der Schulzeit brachten sie uns zur Kirche. Der Priester sprach dort zu uns über bestimmte Themen, über das, worüber er eben reden wollte – Monologe. Und immer wenn ich Fragen stellte, hieß es, ich sei frech und solle solche Dinge nicht fragen. Ich erinnere mich noch genau an eine Situation, da war ich keine zehn Jahre alt, da wedelte er mit dem Finger vor meinem Gesicht, lachte ein wenig und ging einfach weg. Er hieß Joe, wie ich.

Und ich sagte: „Pater Joe, was passiert auf diesen Bildern an der Wand?“ Da war Jesus, wie er das Kreuz trägt. Und ich wollte einfach genauer verstehen, welche Geschichte da dargestellt wurde. Ja, es war kein Umfeld, in dem man offen über Religion sprechen konnte. Und als es um das zweite Sakrament, die Firmung, ging – also die Bestätigung der Taufe, dass man ihr zustimmt – sagte ich zu meinen Eltern: „Ich stimme nicht zu, ich bestätige das nicht, weil ich immer noch nichts über die Religion weiß.“ Ich gehe jetzt seit Jahren zur Kirche, aber ich weiß immer noch nichts.

Nachdem ich die Kirche verlassen hatte, hätte ich mich selbst als agnostisch bezeichnet: Ich glaubte an irgendetwas – aber wusste nicht, was genau. Vor dem Islam war ich verloren, komplett verloren – und ich wusste nicht, warum. Es war einfach Chaos, und ich hatte keinen Lebenssinn. Ich jagte Dingen hinterher – materiellem Zeug, weltlichem Erfolg. Ich tat, was die Gesellschaft mir sagte: „Erreich dies, erreich das.“ Das sei angeblich Erfolg. Aber trotzdem, innerlich fühlte ich mich leer. Alhamdulillah – Gott hat mich da rausgeholt. Was hat für Sie im Christentum keinen Sinn ergeben? Um ehrlich zu sein: Gar nichts davon.

Ich meine, wie kann Jesus – Friede sei mit ihm – Gott sein und gleichzeitig nicht wissen, dass er es ist? Und warum ruft er, während er gekreuzigt wird, zu Gott? Dann hätte er ja zu sich selbst gerufen? Das ergab für mich einfach keinen Sinn – es war unlogisch. Wenn er wirklich Gott war, hätte er doch die Römer vernichten und einfach davonlaufen können – als freier Mann, als freier Gott, wie auch immer. Sie wissen schon. Zu vieles ergab einfach keinen Sinn. Das Ganze ergab keinen Sinn. Was hat Sie interessiert, was waren Ihre Träume? Mein Traum war einfach, aus der Gesellschaft auszubrechen, in der ich lebte. Weil ich wusste, es muss noch eine andere Lebensweise geben.

Das Leben konnte nicht nur aus Fußball, Alkohol und einem Job bestehen, den man hasst und der einen langsam zerstört. Das kann doch nicht der Sinn des Lebens sein. Und damals wusste ich das tief in meinem Herzen, wissen Sie? Das wusste ich genau– nicht logisch begründet, sondern gefühlt. Ich wusste: So kann das Leben nicht gemeint sein. Also musste ich da raus, musste einfach mal durchatmen, etwas Neues sehen – die Welt mit anderen Augen sehen. Warum haben Sie sich dann für eine Karriere im Extremsport entschieden? Und was war die gefährlichste Aktivität, die Sie je getan haben? Also, dieser Beruf ist wirklich sehr riskant.

Es gab ständig Geschichten von Leuten, die ich kannte – die nicht zurückkamen und in Lawinen starben, oder in sogenannte „Baumlöcher“ fielen. Große Bäume, und unter den Ästen gibt es Hohlräume im Schnee, wo der Schnee nicht hinkommt. Und Menschen fallen kopfüber hinein und ersticken darin. Du bist also ständig aufmerksam, extrem fokussiert und zählst jeden in deiner Gruppe aufmerksam durch. Und du musst wirklich die ganze Zeit voll konzentriert sein. Denn das ist eine super, super ernste Sache, verstehen Sie? Schon allein der Aufstieg auf den Berg, das war der gefährlichste Teil, weil da Hooligans mit irrem Tempo unterwegs waren.

Die kamen einfach in den Kurven auf der falschen Seite angefahren und sind dann einfach in die anderen reingeknallt, die hochführen. Einer von beiden kann dabei sogar sterben, oder sogar beide. Oder zumindest bricht sich jemand ein Bein. Was war das, was Sie Ihre Überzeugungen hinterfragen ließ? Ich fuhr mit ein paar Freunden los, und wir fanden eine echt coole Gegend, wo es jede Menge natürlicher Sprunghügel gab, die total verrückt geformt waren. Man konnte da auf ganz ungewöhnliche Arten springen. Wir haben da einfach ein bisschen rumgespielt und Spaß gehabt, und ich hab diesen einen Sprunghügel ein paar Mal gemacht und es lief alles gut.

Und da dachte ich mir so, okay, jetzt gehe ich mit viel mehr Tempo rein. Ich ziehe die Bremse und denke nur: „Oh nein.“ Hier ist schon einmal jemand gelandet. Ich hab einfach nicht mitgedacht. Ich sehe das also und denke nur: „Oh nein.“ Ich versuchte, mein Schneemobil von mir wegzuschleudern. Ich dachte mir: Ich schmeiß einfach das Schneemobil weg und lande im Schnee, atme tief durch und alles wird gut. Nein, ich hatte nicht genug Zeit, um richtig vom Schneemobil wegzukommen. Das Schneemobil knallte auf den Boden und blieb sofort stecken. Weil die Landung ziemlich flach war, war es richtig hart aufgeschlagen.

Und die rechte Seite meines Körpers, vor allem mein rechtes Bein, kam genau oben auf der Maschine auf. Mein Körper hatte sich dann in den Schnee vergraben und mein Bein ist fast explodiert. Und ja, das war kein Spaß. Definitiv kein Spaß. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Mann bat, mich zu umarmen. Oben auf dem Berg, in zweitausend Meter Höhe. Ich konnte unmöglich selbst wieder runterfahren. Ich war unbrauchbar an dem Punkt. Dann kam der Schock, wissen Sie, ich bin in einen Schockzustand geraten. Ich fing an zu zittern und zu zittern und es wurde richtig unangenehm.

Also sagte ich zu dem Typen: „Leg einfach deinen Arm um mich und halt mich irgendwie fest.“ Und ich habe seinen Arm dann gepackt, denn ich hatte höllische Schmerzen. Und ich war auch laut, habe geschrien und gestöhnt. Und es hat insgesamt 45 Minuten gedauert, bis der Hubschrauber kam. Die haben mir Lachgas gegeben, um den Schmerz zu lindern. Da fing ich an, total bescheuerte Witze zu machen, wissen Sie, weil das Zeug einen total vernebelt und alles vergessen lässt... Ich hab den Schmerz nicht vergessen, denn sie haben mich dann auf die Trage gelegt. Es hat acht Leute gebraucht, weil der Schnee so tief war.

Und sie mussten mich wieder runter zum Helikopter tragen, und mein Fuß hing einfach schlaff von der Trage runter. Ich lag auf der Trage, mein Körper war in Ordnung, aber mein Fuß hing einfach runter, und ich dachte, jemand... Ich hatte solche Schmerzen. Ich sagte nur: „Kann bitte jemand meinen Fuß nehmen und ihn auf die Trage legen?“ Es war wirklich schlimm. Und dann bin ich zusammengebrochen, wissen Sie, ich fing an zu weinen, und ich fragte mich: „Was soll das alles eigentlich?“ „Was bringt das alles, dieser ganze Kampf?“ Warum muss ich all diese Prüfungen durchstehen, eine nach der anderen? Und dann sprachen wir darüber.

Ich meinte: „Okay, ich brauche noch eine weitere OP an meinem Bein.“ Und er sagte: „In Bulgarien gibt es dafür eigentlich keinen richtigen Ort. Alle hier gehen dafür nach Istanbul.“ Und deshalb bin ich nach Istanbul gekommen. Wann haben Sie zum ersten Mal von Islam gehört? Und wie begann Ihr Weg zum Islam? Also, nachdem ich für die Operation nach Istanbul gekommen war, die übrigens erfolgreich verlief, Alhamdulillah, hatte ich so ein Gefühl im Herzen, dass ich hierbleiben sollte. Und ich wusste nicht, warum. Also sagte ich zu meinem Vater, der mitgekommen war: „Fahr zurück nach Bulgarien und lass mich hier, ich schaff das schon.“ Er meinte: „Bist du sicher?

Was willst du denn machen?“ Und ich sagte: „Ehrlich gesagt, ich weiß nicht genau, was ich machen werde, aber ich bin mir sicher, dass es gut wird.“ Dann kam der Moment immer näher, an dem mein Vater abreisen sollte. Und ich sag Ihnen: Es war, als hätte jemand anderes meine Zunge benutzt. Verstehen Sie, was ich meine? Es kamen Worte aus meinem Mund, über die ich nie zuvor nachgedacht hatte. Ich sagte zu ihm: „Vielleicht besuche ich mal eine Moschee und werde Muslim.“ Ich hatte vorher tatsächlich nie darüber nachgedacht, Muslim zu werden. Nie. Ich hatte vorher vom Islam gehört, aber ich habe nie an diese Vorurteile geglaubt. Ich hatte mich nie mit der Religion beschäftigt.

Ich wusste nicht ein einziges Detail darüber. Ich wusste nicht einmal, dass Mekka existiert. Ich hatte keinerlei Ahnung. Und ich glaube, ich habe es mit einem Lächeln im Gesicht gesagt, mit einem leicht sarkastischen Tonfall. Wie ein Scherz, als ob es... Als ob es etwas wäre, das niemals eintreten würde. Es war sehr seltsam. Wirklich sehr, sehr seltsam, wissen Sie? Und dann ging er. Und in den letzten... In den letzten Tagen, bevor er ging, machte ich mir langsam Sorgen, weil ich wusste, dass meine Lage nicht gut war. Ich hatte kaum Geld und war immer noch in Physiotherapie nach meiner letzten OP.

Ich hatte keine Freunde in der Stadt und ich wusste nicht einmal, warum ich bleiben wollte, aber ich hatte dieses Gefühl. Also lag ich nachts in meinem Hotelbett und fing wieder an zu beten. Ich sage: „Oh Gott, bitte zeig mir, warum ich dieses Gefühl habe, hierzubleiben.“ So in der Art: „Ich weiß, dass ich bleiben soll, aber bitte zeig mir den Grund.“ Ein paar Tage später... Ich hatte genug von der Physio, sie hat mich ausgelaugt. Sie hat mich fertiggemacht – geistig, körperlich, seelisch. Und ich dachte, ich brauche eine Pause. Okay. Was tun? Ich bin auch ein Fan vom Bogensport. Bogenschießen liegt uns in Wales irgendwie im Blut.

Und ich dachte mir, ich will mal einen osmanischen Bogen sehen. Also nahm ich zum ersten Mal die Metro. Ich habe mich vertan und meinen Ausstieg komplett verpasst. Und ich hatte die Zeit im Blick, also ging ich richtig schnell, in die Richtung, die mir logisch erschien. Vollkommen geraten. Logisch geraten, könnte man sagen. Und plötzlich riss mich etwas raus. Ich war schon eine Weile unterwegs, und auf einmal war es wie ein Ruck. Und ich dachte: Okay, ich bin müde, Mann. Ich sollte eine Pause machen. Mir ist echt heiß. Ah, mein Fuß tut weh. Und Durst habe ich auch. Okay, wo bin ich eigentlich? Wo kann ich jetzt eine Pause machen? Ich schaue mich um, und ich stehe im Garten einer Moschee.

Und ich sehe da drüben eine riesige Tür, den Eingang zu einer Moschee. Und ich hatte sie lediglich angeschaut. Ich drehte mich wieder um und dachte... Ich bin einfach reingegangen, wissen Sie? Dieser Ort hat mich regelrecht hineingezogen, wissen Sie? Ich habe komplett vergessen, welche Prinzipien ich vorher hatte. Ich wurde in diese Moschee hineingezogen. Und drinnen dachte ich: „Okay, und jetzt?“ Erstmal habe ich nur die Schönheit des Innenraums bestaunt. Ich wusste gar nicht, dass diese Moschee oft von Touristen besucht wird. Und ich war auch nicht deshalb dort. Ich wusste nicht einmal, dass sie existiert.

Nachdem ich eine Weile die Architektur bewundert hatte, dachte ich: Okay, ich bin in einer Moschee, einem Ort des Gebets. Dann kann ich ja auch beten. Auf die einzige Weise, die ich kenne – wie ein Christ. Also dachte ich: Okay, ich suche mir einen Platz zum Beten. Es war voller Touristen. Irgendwie eine witzige Situation. Die Leute haben sich einfach so getrennt. Und ich bin zwischen ihnen nach vorne bis zur Absperrung gegangen. Und ich sah, dass ich ungestört war. Niemand war zu nah bei mir. Also konnte ich tatsächlich ein gutes Gebet sprechen.

Ich faltete meine Hände so, und hob meinen Kopf leicht zur Kuppel der Moschee, stellte mir den Himmel vor, stellte mir vor, wie ich mit Gott spreche. Und ich sagte: „Oh Gott. Ich will dich nicht Gott nennen, weil die Leute sagen: ‚Oh mein Gott‘, wenn sie ein Problem haben.“ Also, ja, ich habe ein Problem, aber ich will das nicht. Es klingt irgendwie beleidigend. Ich will dich nicht ‚Lord‘ nennen, weil das so nach reichem Engländer klingt, und ich bin Waliser.“ „Ich weiß nicht, wie ich dich nennen soll. Und nicht, wie ich zu dir beten soll. Ich weiß nicht, warum ich in einer Moschee bin oder warum ich in Istanbul bin.

Also bitte, hilf mir doch irgendwie.“ Zehn, fünfzehn Minuten später unterbrach mich ein Mädchen neben mir. Und sie sagt: „Entschuldigung, Entschuldigung.“ Ich komme aus dem Gebet, schaue sie an und sage: „Ja?“ Sie sagt: „Sprichst du Englisch?“ Ich sage: „Ja.“ Sie sagt: „Möchtest du etwas über den Islam lernen?“ Und in meinem Kopf denke ich: „Vielleicht ist das, worum ich bete.“ Also sage ich: „Ja, lass uns reden.“ Und wir suchen uns einen schönen Platz zum Sitzen in der Moschee. Wir sitzen ein paar Stunden dort, und während des Gesprächs bringt mich mein Fuß fast um, weil ich nicht richtig auf dem Boden sitzen kann. Also bete ich in Gedanken um Kraft, während ich ihr gleichzeitig zuhöre.

Und ich denke: „Gott, hilf mir, das anzunehmen, was du mir durch sie geben willst. Hilf mir, es zu empfangen. Nimm meinen Schmerz, hilf mir, mich zu konzentrieren. Denn der Schmerz zog mich wirklich aus der Unterhaltung heraus. Ich stellte alle möglichen Fragen, und sie beantwortete jede einzelne. Sie sagte nie, dass man dies oder das nicht fragen dürfe, wissen Sie, ganz anders als das, was ich in der Kirche erlebt habe. Wissen Sie, selbst mir als Katholiken haben sie meine Fragen nicht beantwortet. Aber jetzt, wo ich nicht Muslim war, beantworteten sie meine Fragen. Alles ergab für mich logisch Sinn, und gleichzeitig fühlte sich alles richtig an. Es fühlte sich einfach stimmig an.

Also erklärte sie mir die Grundlagen des Islam. Die Dinge, an die man glauben soll, um Muslim zu sein. Also, dass es nur einen Gott gibt, dass Er Engel erschaffen hat. Er erschuf Propheten. Er gab ihnen Bücher und Offenbarungen. Dass alles vorherbestimmt ist, dass es ein Schicksal gibt. Und das Leben nach dem Tod, das Jenseits. Himmel oder Hölle. Also stimmte ich all dem zu. Ich habe nie zu Jesus gebetet. Ich habe nie zu Maria gebetet. Nichts davon ergab Sinn. Sie sind nur Menschen. Und sie sagte: „Wenn du dem zustimmst, dann bist du im Grunde schon ein Muslim. Du musst nur diese ein, zwei Sätze sprechen und wirst Muslim. Also, willst du es tun?“ Und ich sagte...

„Ja, warum nicht?“ Also habe ich es getan. Und direkt nach meinem Glaubensbekenntnis... Also sprach ich das Glaubensbekenntnis, was eine etwas nervenaufreibende Erfahrung war, weil sie eine Gruppe von Leuten herbeiwinkte. Und da war dieser große Kerl, der aussah, als wäre er ein tschetschenischer Krieger, und ich dachte nur: „Okay, was geht jetzt ab?“ Also brachten sie mich nach vorne in der Moschee und setzen sich mit mir in einen Kreis, und sie brachten mir bei, wie man es richtig ausspricht. Sie gingen Schritt für Schritt mit mir durch. Und dann... Sie war es tatsächlich, die mir den Namen Yusuf gegeben hat. Sie sagte: „Herzlichen Glückwunsch, Yusuf.

Du bist jetzt Muslim.“ Dann brachten sie mich zurück ins Zentrum und gaben mir noch mehr Informationen, aber das war zu viel, einfach zu viel. Und ein anderer Bruder hat mich davor gerettet. Er meinte: „Leute, Leute, Leute. Schaut ihn euch doch mal an. Es ist sein erster Tag. Er hat gerade erst von der Religion erfahren. Entspannt euch. Wir haben Zeit. Wir können später weiter mit ihm reden.“ Er hat mich echt gerettet. Wissen Sie, viele Menschen, die sich mit dem Islam beschäftigen, haben schlechte Angewohnheiten aus ihrem früheren Leben. Sollte so jemand erst dann Muslim werden, wenn er oder sie diese Dinge vollständig abgelegt hat? Auf keinen Fall.

Ich denke nicht, dass irgendjemand warten sollte, Muslim zu werden, bis er sich selbst zur perfekten Person gemacht hat. Denn die perfekte Person existiert nicht, oder? Die Engel wurden als perfekte Wesen erschaffen, aber der Mensch wurde erschaffen als jemand, der Fehler macht. Jeder sündigt. Jeder einzelne Mensch sündigt, nicht wahr? Sogar die Besten... Selbst der Mensch, der äußerlich wie der perfekte Muslim erscheint, sündigt mit Sicherheit. Ganz sicher. Und das wissen sie auch. Das liegt einfach in unserer Natur. Werde zuerst Muslim. Sei nicht zu hart mit dir selbst. Erinnere dich daran, dass Menschen Fehler machen. Es ist...

„Wenn es Menschen gäbe, die nicht sündigten, wenn es eine Gesellschaft gäbe, in der niemand sündigt, dann würde ich sie vernichten. Und ich würde sie ersetzen durch Menschen, die sündigen, damit sie zu mir zurückkehren und um Vergebung bitten könnten.“ Wie Sie vorhin schon gesagt haben, es gibt diese Vorstellung, dass jemand, der Muslim wird, seine ganze Kultur aufgeben muss und seine Identität verändern, seinen Namen ändern, seine Kleidung, wie ein Araber werden soll. Stimmt das? Ganz und gar nicht. Es gibt Menschen... Ich habe Muslime kennengelernt, bei denen ich es nie vermutet hätte. Sie wirkten total westlich, wie ganz normale Leute, die man im Westen sieht.

Es ist nicht so, dass man plötzlich so aussehen muss... Als ob man auf einmal wie ein ultra-religiöser Mensch wirken muss, nur weil man Muslim ist. Nein. Mit langen Gewändern, oder mit einer Gebetskette in der Hand herumlaufen oder irgendwie Selbstgespräche führen, nicht wahr? Und mit sich selbst reden, nicht nur im Kopf oder so. Ich persönlich werde meinen Namen nicht offiziell ändern. Es ist ja nur die Übersetzung meines Namens. In der Türkei können sie „Joe“ nicht aussprechen. Sie sagen „Yo-e“. Also mach ich’s ihnen leichter: „Ich bin Yusuf. Freut mich.“ Sie wissen schon, Yusuf – Joseph. Gleicher Name, andere Sprache. Ich finde, das ist etwas Wunderschönes.

Zu meinem ersten Ramadan wurde ich nach Mekka eingeladen. Ich sah Menschen aus allen Kulturen aus der ganzen Welt. Und das war wunderschön. Alle waren Muslime. Das heißt, wir alle teilen die gleichen Grundprinzipien fürs Leben und wie man es führen sollte. Aber wir haben unsere Kulturen, die uns unterscheiden und uns auf unterschiedliche Weise verbinden. Ich habe Menschen gesehen, fantastisch gekleidet, wie ich es noch nie gesehen hatte. Man kann also seine Kultur absolut behalten. Hatten Sie nach der Konversion jemals ein besonderes Erlebnis, bei dem Sie sich Allah besonders nah gefühlt haben? Das erste Mal: Ich hatte kaum Geld. Wirklich sehr wenig.

Aber ich dachte, kein Problem – Allah wird mich versorgen. Wissen Sie, mir geht es gut. Keine Sorge. Ich hab ein bisschen Geld, muss halt vorsichtig sein mit dem, was ich noch hatte. Aber kein Problem. Allah wird mich versorgen. Und dann wurde ich auf eine Art geprüft. Da kam eine Katze zu mir – eine Mutterkatze. Eine Katze kam zu mir. Sie war Mutter. Sie hatte gerade Babys bekommen und war total hungrig. Sie miaute mich regelrecht aggressiv an. So nach dem Motto: Ich brauche JETZT was zu essen.

Und ich dachte nicht sowas wie: „Oh, ich hab nur noch wenig Geld, ich muss es für mich behalten.“ Ich bin einfach aufgestanden, bin los und hab Futter für die Katze gekauft, hab sie gefüttert – und das passierte immer wieder. Überall waren Katzen, die gerade in dieser Zeit Babys bekommen hatten. Es schien wohl ihre Saison gewesen zu sein. Und ich dachte bei mir: Das ist das Richtige, das ist richtig so. Ich kann ruhig mal hungern. Kein Problem. Ich bin ein erwachsener Mann, ich brauche eigentlich kein Essen. Ich wachse ja nicht mehr. Aber diese Katze ist am Verhungern – und sie hat Babys. Und die müssen wachsen, die können sich nicht selbst versorgen.

Wenn sie älter sind, vielleicht – aber jetzt geht das noch nicht. Also hab ich mein letztes bisschen Geld genommen, um diese Katzen zu füttern. Und dann kam später einer meiner Freunde zu mir. Er sagte: „Bruder, ich will nur mal hören, wie’s dir geht. Erzähl mal – was läuft gerade? Wie steht’s?“ Ich sagte: „Ich versuche, in den Osten zu gehen. Ich will lernen. Ich will tiefer in den Islam eintauchen und ein allgemeineres Verständnis der Basics bekommen.“ Aber ich sagte auch: „Im Moment versuche ich, ein paar Sachen zu verkaufen…

…ein paar Geschäfte zu organisieren, Versuche, ein paar Geschäftsabschlüsse zu machen, besseres Geld zu machen, um etwas zusammenzukratzen, und das Visum und den Flug zu bezahlen.“ „Ich weiß, wenn ich erst mal da bin, dann wird Allah schon für mich sorgen. „Ich werde schon klarkommen. Kein Problem.“ Ich sagte: „Das ist jetzt meine Mission, das ist das, worauf ich mich konzentriere.“ Und er meinte: „Warum bist du nicht zu mir gekommen und hast gefragt?“ Und ich sagte: „Keine Ahnung, ich hab’s nicht gemacht.“ Ich weiß nicht warum – ich hab’s nicht getan.

Und er sagte: „Okay, was wäre, wenn ich versuche, dir irgendwo ein Darlehen zu organisieren?“ Und ich sagte: „Bruder, natürlich würde ich das annehmen. Das Einzige ist nur: Ich weiß nicht, wann ich es zurückzahlen könnte. Ich habe ja immer noch Probleme mit meinem Bein.“ „Ich weiß nicht, wann ich wieder Geld verdienen kann. Mein Plan ist es, zu lernen, nicht Geld zu machen.“ Und er meinte: „Okay, verstehe.“ Dann sagte er: „Bis später.“ Wir verabschiedeten uns. Am nächsten Tag kam er wieder zu mir. Er sagte: „Bruder, ich habe Geld für dich gesammelt – von ein paar Leuten.“ Und ich meinte: „Okay, Mann. Unglaublich. Okay, und wer sind diese Leute?

Und wann erwarten sie, das Geld zurückzubekommen?“ Und er sagte: „Nein, Mann. Das ist eine Spende für dich.“ Sie haben entschieden, das zu geben, weil man als Muslim spenden soll, wenn man genug besitzt. Wenn man also nicht arm ist, muss man 2,5 % seines Ersparten spenden – jedes Jahr, für Bedürftige. Das nennt sich Zakat.“ Und er sagte: „Das ist ihr Zakat.“ Sie mussten das Geld sowieso jemandem geben, der es braucht. Und du bist jemand, der Hilfe braucht – und du strebst speziell nach islamischem Wissen.“ Also meinte er: „Hier ist das Geld – ohne irgendwelche Bedingungen.“ Und ich dachte mir nur: Das ist einfach verrückt. Und ich sagte zu mir selbst: Vielleicht kam das ja, weil ich...

...wegen dem, was ich mit den Katzen gemacht habe. Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ich mein Vertrauen in Gott gesetzt habe – dass Er für mich sorgt, so wie Er es im Koran verspricht: „Ich werde versorgen.“ Wissen Sie – einfach unglaublich. Im Westen bleiben die Menschen Islam gegenüber im Allgemeinen eher kalt. Was ist der Grund dafür, und welchen Rat würden Sie Ihren nichtmuslimischen westlichen Mitmenschen in ein paar Minuten geben? Ja, was Sie sagen, stimmt. Es gibt im Westen da so eine Kälte – oder Zurückhaltung, könnte man sagen – oder eine Blockade gegenüber dem Islam. Die Leute sind im Allgemeinen nicht offen dafür, darüber zu reden oder überhaupt darüber nachzudenken.

Und das liegt daran, dass es seit sehr langer Zeit eine massive Propagandakampagne gegen den Islam gibt. Wir wissen ja alle, Propaganda ist ein Werkzeug der Regierungen, um ein bestimmtes Narrativ zu steuern, eine bestimmte Sichtweise, um zu steuern, wie Menschen etwas wahrnehmen, richtig? Wir haben gesehen, wie Propaganda in der Geschichte immer wieder eingesetzt wurde, um die Massen abzulenken oder von der Wahrheit fernzuhalten, oder sie zu belügen, um bestimmte Handlungen zu rechtfertigen.

Wenn wir also alle glauben würden, dass die Menschen im Nahen Osten, also allgemein die muslimischen Länder, wundervolle, warmherzige, freundliche Menschen sind, die dir im Zweifel sogar das Hemd vom Leib geben würden – was sie übrigens wirklich sind, so sind sie nun mal – wenn das also jeder wüsste und glauben würde, dann wäre die Welt empört, wenn sie die Zerstörung eines solchen Landes sähe. Aber wenn die Menschen im Westen glauben, dass diese Menschen irgendwie weniger zivilisiert oder „menschliche Tiere“ sind – wie Netanyahu sagte –, dann ist es plötzlich kein großes Problem mehr, sie zu töten oder ihre Länder zu zerstören. Dann erscheint das Ganze plötzlich mehr gerechtfertigt.

Und es fällt den Menschen leichter, diese Dinge einfach zu akzeptieren. Glaubt nicht immer alles, was die Medien erzählen. Wenn bestimmte Medien zensiert werden, dann sind das meistens die Medien, die der Wahrheit näher kommen. Und wenn etwas von allen großen Nachrichtensendern verbreitet wird, dann hat das meistens einen bestimmten Grund. Man will, dass man das glaubst – aus einem bestimmten Zweck. Also informiert euch selbst. Wir wurden mit einem Verstand geboren, mit dem wir denken sollen. Allah sagt uns das auch im Koran. Wir wurden mit einem Verstand geboren – also nutzt ihn auch. Trifft eure eigenen Entscheidungen über Dinge und Menschen. Forscht selbst nach.

Glaubt nicht alles, was man euch sagt. Geht den Dingen selbst auf den Grund. Und hört auf zu versuchen, wie alle anderen zu sein. Vielen herzlichen Dank, Bruder Yusuf, für Ihre ehrlichen Antworten. Möge Allah Sie reichlich belohnen, und möge Allah Ihnen ermöglichen, auf dem rechten Weg zu bleiben bis zu Ihrem letzten Atemzug, Inshallah. Vielen, vielen Dank.