Ein Priester konvertiert zum Islam – Seine Liebe zu Jesus führte ihn zum Islam
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Meine Liebe zu Jesus... Ich wollte wissen, wer Jesus in Wirklichkeit war. Meine Liebe zu Jesus regte mich an, herausfinden, wer er war. Meine Liebe zu Gott zeigte mir, dass Jesus nicht Gott sein kann. Menschen denken nicht an die muslimische Welt, und sie denken nicht daran, dass Menschen freiwillig zum Islam übertreten. Sie glauben, der Islam wurde mit dem Schwert verbreitet. Für uns, für mich, mit lateinamerikanischem Hintergrund, ist das extrem wichtig, denn das Christentum wurde uns mit dem Schwert aufgezwungen. Als ich meine Shahada ablegte, begann ich mit der halben Shahada: La ilaha illallah (Es gibt keinen Gott außer Allah). Für mich gab es da offene Fragen.
Ist der Prophet Muhammad der „Dajjal“ (Antichrist)? A‘udhu billah (Ich suche Zuflucht bei Allah). Denn so wird es gelehrt: Jeder, der nach Jesus kommt, sei ein falscher Prophet. Der Prophet, Friede sei mit ihm, hat es geschafft, eine Gemeinschaft und Gesellschaft von Glauben und Gerechtigkeit zu gründen. Die muslimische Gemeinschaft wurde zu meiner Familie, sie wurde mein Zufluchtsort. As-salamu alaykum, Imam Yusuf Rios. Vielen Dank, dass Sie unsere Einladung zu Towards Eternity angenommen haben. Wir freuen uns sehr, Sie bei uns zu haben. Wa alaykumu s-salam wa rahmatullahi wa barakatuh, Bruder Ahmed. Schön, hier zu sein. Also, meine erste Frage lautet: Wer ist Imam Yusuf Rios?
Können Sie uns kurz etwas über Ihr Leben erzählen? Kurz gesagt: Ich wurde in den USA geboren. Ich wurde in eine katholisch-protestantische Familie hineingeboren. Ich bin also zwischen diesen beiden christlichen Strömungen aufgewachsen. Und in meinen frühen Teenagerjahren hatte ich so meine Probleme, und in meinen späten Zwanzigern bin ich dann Muslim geworden. Vor etwa 25 Jahren nun, nach zweieinhalb Jahren Ausbildung, in denen ich Priester werden wollte, bin ich zum Islam übergetreten und habe mich darauf konzentriert, der muslimischen Gemeinschaft zu dienen, mit Schwerpunkt auf Da'wah (Verkündung des Islam) und Bildung. Wie war Ihr Leben in Bezug auf den Glauben? Woran haben Sie geglaubt?
Ich wuchs in einem ziemlich religiösen Umfeld auf, in einer gläubigen Familie. Die Seite meines Vaters war praktizierend protestantisch und hatte sogar Kirchen gegründet. Und die Seite meiner Mutter war praktizierend katholisch, und sie waren der katholischen Kirche sehr verbunden. Ich selbst neigte stärker zur römisch-katholischen Ausrichtung des Christentums. In meinen frühen Teenagerjahren fiel es mir sehr schwer, religiös zu sein in einer Gesellschaft, die zunehmend säkular wurde. In der Stadt, in der ich aufwuchs, war das ziemlich extrem.
Es gab viel Kriminalität und auch Drogen, und selbst die Musik öffnete diese Denkweisen und Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft nicht normal waren. In meinen frühen Teenagerjahren erlebte ich die dunkle Seite des Menschseins. Als ich in meinen späten Teenagerjahren da wieder herauskam, suchte ich mehr nach Religiosität. Meine Weltsicht war sehr negativ. Ich dachte, das Ende der Welt stehe bevor. Es sei Zeit, sich auf das Jenseits vorzubereiten und so weiter. Ich verfiel ins andere Extrem. Das bedeutete für mich, alles hinter mir zu lassen und mich ganz dem Gottesdienst zu widmen und mich von der Welt zu lösen. Ein Teil dieser Reise war der Wunsch, Priester zu werden.
Tatsächlich wollte ich vorher sogar Mönch werden. Aber diesen Weg ging ich nicht, sondern studierte zweieinhalb Jahre lang, um Priester zu werden. Und da entschied ich mich dann, zum Islam zu konvertieren. Wie verliefen diese zweieinhalb Jahre für Sie? Und was haben Sie in dieser Zeit erlebt, dass Sie zum Islam übergetreten sind? Wenn man Priester werden will, lernt man nicht nur religiöse Inhalte, sondern man studiert auch Philosophie und andere Religionen, nicht nur die eigene. Diese Konfrontation mit Ideen, auch durch mein Philosophiestudium, brachte mich zum Hinterfragen. Und in meinem damaligen emotionalen Zustand, wie ich schon sagte, war ich nicht sehr mit der Welt verbunden.
Also begann ich mich zu fragen, was Religion für das Leben bedeutet. Und da erkannte ich, dass meine Ausübung des Christentums nicht wirklich in der Lage war, über Familienleben, Gesellschaft und ähnliche Dinge zu sprechen. Die Vorstellung, die uns mit dieser Religiosität vermittelt wurde, war: Du musst dich von der Welt loslösen. Und Menschen, die verheiratet sind oder in der Gesellschaft leben, haben eine geringere Form der Religion. Es ergab für mich keinen Sinn, dass die Propheten unter Mühen Bani Israel (die Kinder Israels) den Ein-Gott-Glauben lehrten, und wir am Ende dann sagen, dass Gott ein Mensch ist.
Aber wir kennen den Kampf von Ibrahim – alayhis-salatu was-salam – (FSMI) und den Kampf von Musa – alayhis-salatu was-salam. Am Ende ergab das alles für mich nicht viel Sinn. Während meiner Priesterausbildung lasen wir außerdem die Psalmen, den Zabur (Psalmen), in der damaligen Version. Die Vorstellung, dass Gott das Böse erschaffen hat, war in den Psalmen sehr deutlich. Aber in der christlichen Theologie war das etwas ganz anderes. Das Konzept von Tawhid (Einheit Gottes) wurde für mich eine sehr zentrale Frage. Was bedeutet Tawhid eigentlich wirklich?
Dort, bei der Frage, wer Jesus wirklich ist – wie ich schon an anderen Stellen erwähnte – gab es kein klares Verständnis darüber, wer Jesus ist. Nicht so, wie wir es im Leben des Propheten Muhammad, FSMI, als Muslime haben. Wir haben historische Belege. Es ist nicht bloß emotional oder eingebildet. Dann kam auch die Frage auf: Was macht man mit den Millionen Menschen anderer Glaubensrichtungen? Sagt man, dass sie in die Hölle kommen? Wie geht man mit dieser Realität um? Das alles hat mich tief bewegt und mich zum Hinterfragen gebracht. Das waren die Dinge, die mich in Richtung Islam führten. Und wie begann Ihre Reise zum Islam? Was war der Auslöser für Ihren individuellen Weg?
Meine Liebe zu Jesus. Ich wollte wissen, wer Jesus war. Es gibt so viele verschiedene Erfahrungen, wenn man– wenn man zum Islam übertritt, merkt man, es ist kein einzelnes Ereignis. Es sind viele verschiedene Ereignisse, aber es gibt immer diesen inneren Kern, der einen bewegt. Doch meine Liebe zu Jesus war es, die mich zum Islam zog. Ich wollte wissen, wer Jesus in Wirklichkeit war. Das führte mich dazu, mich mit Palästina zu befassen. Ich wollte mich aktiv damit beschäftigen, und dann begann ich, den Adhan (Gebetsruf) zu hören. Und als ich begann, den Adhan zu hören, zog er mich immer mehr zum Islam hin.
Aber in meinem Wunsch, Gott zu dienen und Jesus wirklich kennenzulernen, musste ich mich selbst hinterfragen: Was bedeutet das eigentlich? Und so musste ich mich immer intensiver mit solchen Fragen beschäftigen, wie Jesus als Vorbild im Gottesdienst, wer Jesus tatsächlich war, was die tatsächlichen Lehren Jesu waren. Hat Jesus gesagt, dass er Gott sei, oder hat er uns gelehrt, dem einen Gott zu folgen? Selbst in der christlichen Wissenschaft wird die Aussage, dass Jesus Gott sei, seit rund 200 Jahren von christlichen Gelehrten selbst in Frage gestellt. Das sind nicht Muslime, die ihre eigene Idee aufzwingen. Das sind keine Juden.
Das sind die Christen selbst, die innerhalb ihrer eigenen Gelehrtenschaft sagen: Nein, wir haben keine konkreten Belege. Es gibt Dinge, die vielleicht so wirken, aber wir haben keinen eindeutigen Nachweis. Und diese Art des Hinterfragens kam aus dem Protestantismus. Meine Liebe zu Jesus regte mich an, herausfinden, wer er war. Meine Liebe zu Gott zeigte mir, dass Jesus nicht Gott sein kann. Denn das wäre Polytheismus. Aber hier ist etwas Interessantes: Als ich begann zu praktizieren – das sollte ich erwähnen –, als ich begann, den Katholizismus zu praktizieren, wurde ich dann religiös, weil ich in jungen Teenagerjahren eine schlimme Erfahrung gemacht habe.
Aber derjenige, der mich meine Religion hinterfragen ließ, war mein Cousin. Er stellte mir die Frage: „Du glaubst daran, aber was sagst du dazu?“ Denn mein Cousin hatte viel mit Muslimen zu tun. Er sagte: „Aber was ist mit den Millionen Muslimen? Willst du behaupten, dass sie alle in die Hölle kommen? Dabei sind sie rechtschaffen.“ Mein Cousin war also viel mit Muslimen unterwegs, und er brachte mich in deren Umfeld mit hinein. Und sie stellten mir Fragen, was mich dazu brachte, in meiner Ausübung des Christentums mehr zu recherchieren. Aber in gewisser Weise war er es, der mir einen tieferen Zugang zum Islam verschaffte. Und eine Zeit lang legte er die Shahada nicht ab.
Als ich meine Shahada sprach, begann ich mit der Hälfte der Shahada: La ilaha illallah (Es gibt keinen Gott außer Allah). Uns wurde gelehrt, dass nach Jesus kein Prophet mehr kommt. Also hatte ich Fragen. Ist der Prophet Muhammad der „Dajjal“ (Antichrist)? A'udhu billah (Ich suche Zuflucht bei Allah). War er – nach islamischem Verständnis – ein falscher Prophet? Denn uns wurde beigebracht, dass jeder, der nach Jesus kommt, ein falscher Prophet sei. Also bekam ich Angst und dachte: Moment mal.
Aber die Einheit Gottes, wenn man in die Bibel schaut – da steht: „Höre Israel, der Herr, dein Gott, ist einer.“ Und wenn man die Zehn Gebote anschaut, lehren sie, dass man keine anderen Götter neben Gott haben soll – was im Grunde die Shahada ist. Also sagte ich: „Bis hierhin gehe ich mit.“ Aber für Muslime ist das nicht akzeptabel. Denn sie wollen, dass man die ganze Shahada annimmt. Doch ich sagte: „Ich komme bis hierher mit und der Rest kommt später.“ Weil ich daran glaubte und davon überzeugt war. Ich durchlief eine Krise, als ich das Priesterseminar verließ. Ich hatte bereits den Buddhismus studiert und andere christliche Richtungen. Ich glaubte an die Propheten.
Ich wollte das nicht aufgeben, aber wusste nicht, wohin es geht. Und ich wollte kein Atheist sein. Ich hatte nicht das Gefühl, zur jüdischen Gemeinde zu passen, weil deren Zugehörigkeit auf Abstammung basiert. Wissen Sie, man muss Teil ihrer Ethnie sein. Und das ist eine Tatsache. Also sagte ich: „Das Einzige, was bleibt, ist der Islam.“ Ich nehme diesen Teil an und kümmere mich später um den Rest. Dann, als ich begann, mehr darüber zu lernen, wurde vieles für mich immer klarer. Ich war mir nicht sicher, wer Jesus war, und auch nicht über den Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm. Aber ich war mir sicher: La ilaha illallah.
Und dann wurde mir der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, nach und nach immer klarer. Was hat Sie dann davon überzeugt, dass der Prophet Muhammad FSMI wirklich ein Prophet Gottes ist? Was haben Sie gelernt, das Sie so denken ließ? Als ich begann, das Leben des Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, zu studieren, war das ein Wendepunkt. Obwohl ich meine Bedenken hatte bezüglich der Art, wie wir die Sirah (Biographie des Propheten) behandeln. Wir müssen aufpassen, wie wir mit ihr umgehen. Das ist für Muslime sehr wichtig.
Denn bei der Sirah, dem Aufbau der Sirah, wirkt es, als sei der Prophet, Friede sei mit ihm, geboren worden, dann kam seine Jugend, dann hatte er eine Begegnung mit Gott, und wurde ein Prophet, und dann begann er mit der Da'wah, und gründete dann eine Gemeinschaft. Von da an, in diesem gesamten Prozess der Gemeindebildung sieht man dann die Ghazawat (Kriegszüge/Expeditionen). Es werden all diese Schlachten erwähnt. Das stellt den Propheten so dar, als sei er hauptsächlich ein Krieger. Das ist eine Facette, aber es ist auch wichtig für uns Muslime, einen Schwerpunkt darauf zu legen, wie der Prophet mit Menschen umging, mit seinen Feinden, mit Andersgläubigen. Das ist doch entscheidend, oder?
Diese Facetten – das Mitgefühl des Propheten, Friede sei mit ihm, seine Rolle als Anführer, seine Rolle beim Schaffen von Gerechtigkeit – das waren Dinge, die mich zunehmend überzeugt haben von der wahren Natur des Propheten ﷺ. Und auch die Tatsache, dass wir überlieferte Belege haben. Es gibt keine anderen Propheten oder Menschen überhaupt, zu denen es derart viele verifizierbare Quellen gibt. Die wir wirklich prüfen können. Das ist nichts, woran wir glauben sollen, nur auf Grundlage von Vorstellungskraft oder blindem Glauben ohne Belege. Aber gleichzeitig wissen wir auch, dass der Islam oft missverstanden wird.
Die Darstellung des Islams wird oft noch im Sinne von „Islam gegen den Rest der Welt“ gezeichnet. Zum Beispiel Henry Kissinger – er vertrat die Auffassung, dass der Islam eine kriegerische Religion sei. Und die Darstellung des Islams durch Orientalisten wirkt bis heute nach. Die Menschen denken beim Islam nicht an Leute, die freiwillig zum Islam übertreten. Sie glauben, der Islam sei mit dem Schwert verbreitet worden. Das ist eine weitverbreitete Vorstellung. Die historische und die kulturelle Seite sowie auch der zivilisatorische Aspekt des Islams stehen dabei nicht im Vordergrund.
Für uns – für mich – mit lateinamerikanischem Hintergrund, ist das besonders wichtig, weil das Christentum bei uns mit dem Schwert aufgezwungen wurde. Wie haben denn Ihre Familie und Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie zum Islam konvertiert sind? Das war sehr schwer, weil ich aus einem christlichen Umfeld kam. Und ein paar Jahre später kam dann auch noch der 11. September. Wissen Sie, das hatte sich aufgebaut. Ich war schon eine Weile Muslim, aber dann kam der 11. September, und ich hatte keine besonders gute Beziehung zu meiner Familie. Meine Mutter hat mich praktisch verstoßen, besonders als ich geheiratet habe.
Ich habe eine Zeit durchgemacht, in der meine Mutter mich abgelehnt hat, und wenn ich mit ihr darüber sprach, war das Thema Religion immer ein Problem. Früher war das nicht so, aber sie hat in unseren Gesprächen immer deutlich gemacht, dass es irgendwann darauf hinauslaufen würde, dass Jesus Gott sei. Und wenn ich das nicht akzeptierte, dass Jesus Gott sei, dann sei das ein Problem. Denn aus ihrer Sicht war ich ein Murtadd (Glaubensabtrünniger). Ich hatte den Glauben verlassen. In der puertoricanischen, besonders der katholischen Kultur ist das dasselbe. Wenn man den Katholizismus verlässt, ist das wie, als ob man das Puertoricanischsein verlässt.
Ich meine, als wäre man kein Puertoricaner mehr. Das war also ein großer Konflikt. Als ich heiratete, stellte ich meiner Frau meine Großmutter vor, weil meine Großmutter eine sehr gläubige Katholikin war. Sie war aktiv in der Kirche, nicht nur gewöhnliches Mitglied. Sie war engagiert, hatte eine gewisse Führungsrolle. Als sie meine Frau mit dem Hijab (Kopftuch) sah, sagte sie: „Das ist der richtige Weg.“ Anfangs sprach sie nicht mit mir, und dann war die Kommunikation sehr minimal – bis zum Ende hin. Dann änderte sich das mit meinen Kindern. Als meine Kinder geboren wurden, gab es eine gewisse Zeit, in der sie sich fernhielt.
Aber ich musste kämpfen, damit sie eine Beziehung zu meiner Mutter hatten. Dann änderte sich etwas. Dann wurde die Kommunikation viel besser. Die muslimische Ummah (Gemeinschaft) wurde zu meiner Mutter. Es ist bis heute sehr schwer. Das hat mich für andere Menschen sensibilisiert. Dadurch wurde ich mitfühlender gegenüber anderen. Ich habe in dem Bereich noch Entwicklungsspielraum, aber das hat mich sensibler gemacht. Ich habe mich dadurch sehr auf die muslimische Gemeinschaft gestützt, vielleicht mehr, als gut war. Aber es zwang mich definitiv dazu, mich auf die muslimische Gemeinschaft zu stützen, weil sie zu meiner Familie wurde.
Die muslimische Gemeinschaft wurde meine Familie, sie wurde mein Zufluchtsort. Und ist jemand aus Ihrer Familie, also aus dem erweiterten Kreis, nach Ihnen zum Islam übergetreten? Mein Cousin wurde Muslim, derjenige, der mich inspiriert hat, zum Islam zu finden. Er war wie ein Bruder für mich. So etwas wie ein Cousin-Bruder. Wir sind zusammen aufgewachsen, aber er wurde nicht Muslim, als ich es wurde. Ich dachte, er würde auch Muslim werden. Aber er hatte weiterhin mit vielem zu kämpfen. Ich war auf meinem Weg, studierte den Islam und machte Da'wah und so weiter. Ich musste einfach weitermachen. Es war nicht leicht.
Es war schwer, weil ich mich wie aus meiner Familie gerissen fühlte, aus meiner Gemeinschaft und allem anderen. Und dann hat man das Gefühl: Ja, da ist noch jemand, wissen Sie, noch einer, der Muslim wurde. Meine letzte Fragen: Was hat Sie am meisten beeindruckt am Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, an seinem Leben? Der Prophet, Friede sei mit ihm, konnte eine Gemeinschaft und Gesellschaft des Glaubens und der Gerechtigkeit aufbauen. Genau damit kämpfen heutzutage sehr viele Leute. Was ist der Sinn des Lebens? Wie schafft man Gerechtigkeit? Auf allen Ebenen: politisch, wirtschaftlich. Wie gehen wir mit Unterschieden um?
Die moderne Welt würde gut daran tun, das Leben des Propheten Muhammad, FSMI, aus diesem Blickwinkel zu studieren. Wie sieht gute Menschenführung aus? Denn es gibt eine direkte Beziehung zwischen Glauben und Leben. Und dieses Modell. Das war mein innerer Kampf. Sie haben gesagt, Sie hätten viele Religionen untersucht – warum der Islam aus hunderten Religionen? Einfachheit des Glaubens, Authentizität der Quellen, praktische Anwendbarkeit im Leben. Der Islam behandelt jeden Aspekt des Menschen. Der Islam ist die einzige Religion auf der Welt, das weiß ich sicher, die jeden Aspekt des Menschen behandelt. Und die gesamte Menschheit einschließt.
Er basiert nicht auf einer Ethnie, einem Stamm oder einer Rasse, sondern gilt für alle, gibt Anleitung für jede Ebene des Lebens. Feiert das Leben. Das Leben ist sehr schön und positiv. Der Mensch ist gut. Der Ursprung des Menschen ist sehr optimistisch, sehr hoffnungsvoll in dieser Hinsicht. Stellen Sie sich vor, ein Christ käme zu Ihnen. Wie würden Sie den Islam in nur einer Minute kurz beschreiben? Ich sage immer: Islam ist, wie in einer Kapsel, das, was wir in den Zehn Geboten haben: Nur Gott anbeten und keinen anderen Gott neben Ihm. Keine Götzen anbeten. Die Realität von Jesus bestätigen, seine Lehren anerkennen, die Mission Jesu erfüllen. Jesus wies immer auf Liebe und Mitgefühl hin.
Und das lernt man perfekt im Leben von Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, der für die ganze Menschheit da ist. Und Jesus lehrte die Einheit Gottes und nur Gott anzubeten und einen einfachen Glauben, ein einfaches Leben zu führen. All diese Dinge findet man im Islam noch klarer wieder. Jesus war Muslim. Er unterwarf sich Gott. Muslim bedeutet einfach, sich dem Willen Gottes zu fügen. Jesus tat genau das, ja. Und zuletzt, wenn Sie die Möglichkeit hätten, zu allen Nicht-Muslimen der Welt zu sprechen, was würden Sie ihnen sagen, wenn Sie nur wenige Momente hätten?
Verweigere dir nicht die Begegnung mit dem Koran, der einzigen authentischen Offenbarung auf der Erde seit Anbeginn der Zeit, die Offenbarung an uns bis heute ist unverändert geblieben und ihre Sprache ist zugänglich. Verweigere dir nicht die Begegnung mit dem Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm. Das sind zwei grundlegende Dinge. Und zum Schluss noch, Islam als Zivilisation, nicht nur als religiöse Praxis, sondern der Islam mit Einfluss auf die Zivilisation hat der ganzen Menschheit viel zu bieten. Nimm davon, was dir nützt. Ich denke, das sind die drei wichtigsten Kernbotschaften, die ich Menschen auf der ganzen Welt mitgeben würde.
Ist der Prophet Muhammad der „Dajjal“ (Antichrist)? A‘udhu billah (Ich suche Zuflucht bei Allah). Denn so wird es gelehrt: Jeder, der nach Jesus kommt, sei ein falscher Prophet. Der Prophet, Friede sei mit ihm, hat es geschafft, eine Gemeinschaft und Gesellschaft von Glauben und Gerechtigkeit zu gründen. Die muslimische Gemeinschaft wurde zu meiner Familie, sie wurde mein Zufluchtsort. As-salamu alaykum, Imam Yusuf Rios. Vielen Dank, dass Sie unsere Einladung zu Towards Eternity angenommen haben. Wir freuen uns sehr, Sie bei uns zu haben. Wa alaykumu s-salam wa rahmatullahi wa barakatuh, Bruder Ahmed. Schön, hier zu sein. Also, meine erste Frage lautet: Wer ist Imam Yusuf Rios?
Können Sie uns kurz etwas über Ihr Leben erzählen? Kurz gesagt: Ich wurde in den USA geboren. Ich wurde in eine katholisch-protestantische Familie hineingeboren. Ich bin also zwischen diesen beiden christlichen Strömungen aufgewachsen. Und in meinen frühen Teenagerjahren hatte ich so meine Probleme, und in meinen späten Zwanzigern bin ich dann Muslim geworden. Vor etwa 25 Jahren nun, nach zweieinhalb Jahren Ausbildung, in denen ich Priester werden wollte, bin ich zum Islam übergetreten und habe mich darauf konzentriert, der muslimischen Gemeinschaft zu dienen, mit Schwerpunkt auf Da'wah (Verkündung des Islam) und Bildung. Wie war Ihr Leben in Bezug auf den Glauben? Woran haben Sie geglaubt?
Ich wuchs in einem ziemlich religiösen Umfeld auf, in einer gläubigen Familie. Die Seite meines Vaters war praktizierend protestantisch und hatte sogar Kirchen gegründet. Und die Seite meiner Mutter war praktizierend katholisch, und sie waren der katholischen Kirche sehr verbunden. Ich selbst neigte stärker zur römisch-katholischen Ausrichtung des Christentums. In meinen frühen Teenagerjahren fiel es mir sehr schwer, religiös zu sein in einer Gesellschaft, die zunehmend säkular wurde. In der Stadt, in der ich aufwuchs, war das ziemlich extrem.
Es gab viel Kriminalität und auch Drogen, und selbst die Musik öffnete diese Denkweisen und Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft nicht normal waren. In meinen frühen Teenagerjahren erlebte ich die dunkle Seite des Menschseins. Als ich in meinen späten Teenagerjahren da wieder herauskam, suchte ich mehr nach Religiosität. Meine Weltsicht war sehr negativ. Ich dachte, das Ende der Welt stehe bevor. Es sei Zeit, sich auf das Jenseits vorzubereiten und so weiter. Ich verfiel ins andere Extrem. Das bedeutete für mich, alles hinter mir zu lassen und mich ganz dem Gottesdienst zu widmen und mich von der Welt zu lösen. Ein Teil dieser Reise war der Wunsch, Priester zu werden.
Tatsächlich wollte ich vorher sogar Mönch werden. Aber diesen Weg ging ich nicht, sondern studierte zweieinhalb Jahre lang, um Priester zu werden. Und da entschied ich mich dann, zum Islam zu konvertieren. Wie verliefen diese zweieinhalb Jahre für Sie? Und was haben Sie in dieser Zeit erlebt, dass Sie zum Islam übergetreten sind? Wenn man Priester werden will, lernt man nicht nur religiöse Inhalte, sondern man studiert auch Philosophie und andere Religionen, nicht nur die eigene. Diese Konfrontation mit Ideen, auch durch mein Philosophiestudium, brachte mich zum Hinterfragen. Und in meinem damaligen emotionalen Zustand, wie ich schon sagte, war ich nicht sehr mit der Welt verbunden.
Also begann ich mich zu fragen, was Religion für das Leben bedeutet. Und da erkannte ich, dass meine Ausübung des Christentums nicht wirklich in der Lage war, über Familienleben, Gesellschaft und ähnliche Dinge zu sprechen. Die Vorstellung, die uns mit dieser Religiosität vermittelt wurde, war: Du musst dich von der Welt loslösen. Und Menschen, die verheiratet sind oder in der Gesellschaft leben, haben eine geringere Form der Religion. Es ergab für mich keinen Sinn, dass die Propheten unter Mühen Bani Israel (die Kinder Israels) den Ein-Gott-Glauben lehrten, und wir am Ende dann sagen, dass Gott ein Mensch ist.
Aber wir kennen den Kampf von Ibrahim – alayhis-salatu was-salam – (FSMI) und den Kampf von Musa – alayhis-salatu was-salam. Am Ende ergab das alles für mich nicht viel Sinn. Während meiner Priesterausbildung lasen wir außerdem die Psalmen, den Zabur (Psalmen), in der damaligen Version. Die Vorstellung, dass Gott das Böse erschaffen hat, war in den Psalmen sehr deutlich. Aber in der christlichen Theologie war das etwas ganz anderes. Das Konzept von Tawhid (Einheit Gottes) wurde für mich eine sehr zentrale Frage. Was bedeutet Tawhid eigentlich wirklich?
Dort, bei der Frage, wer Jesus wirklich ist – wie ich schon an anderen Stellen erwähnte – gab es kein klares Verständnis darüber, wer Jesus ist. Nicht so, wie wir es im Leben des Propheten Muhammad, FSMI, als Muslime haben. Wir haben historische Belege. Es ist nicht bloß emotional oder eingebildet. Dann kam auch die Frage auf: Was macht man mit den Millionen Menschen anderer Glaubensrichtungen? Sagt man, dass sie in die Hölle kommen? Wie geht man mit dieser Realität um? Das alles hat mich tief bewegt und mich zum Hinterfragen gebracht. Das waren die Dinge, die mich in Richtung Islam führten. Und wie begann Ihre Reise zum Islam? Was war der Auslöser für Ihren individuellen Weg?
Meine Liebe zu Jesus. Ich wollte wissen, wer Jesus war. Es gibt so viele verschiedene Erfahrungen, wenn man– wenn man zum Islam übertritt, merkt man, es ist kein einzelnes Ereignis. Es sind viele verschiedene Ereignisse, aber es gibt immer diesen inneren Kern, der einen bewegt. Doch meine Liebe zu Jesus war es, die mich zum Islam zog. Ich wollte wissen, wer Jesus in Wirklichkeit war. Das führte mich dazu, mich mit Palästina zu befassen. Ich wollte mich aktiv damit beschäftigen, und dann begann ich, den Adhan (Gebetsruf) zu hören. Und als ich begann, den Adhan zu hören, zog er mich immer mehr zum Islam hin.
Aber in meinem Wunsch, Gott zu dienen und Jesus wirklich kennenzulernen, musste ich mich selbst hinterfragen: Was bedeutet das eigentlich? Und so musste ich mich immer intensiver mit solchen Fragen beschäftigen, wie Jesus als Vorbild im Gottesdienst, wer Jesus tatsächlich war, was die tatsächlichen Lehren Jesu waren. Hat Jesus gesagt, dass er Gott sei, oder hat er uns gelehrt, dem einen Gott zu folgen? Selbst in der christlichen Wissenschaft wird die Aussage, dass Jesus Gott sei, seit rund 200 Jahren von christlichen Gelehrten selbst in Frage gestellt. Das sind nicht Muslime, die ihre eigene Idee aufzwingen. Das sind keine Juden.
Das sind die Christen selbst, die innerhalb ihrer eigenen Gelehrtenschaft sagen: Nein, wir haben keine konkreten Belege. Es gibt Dinge, die vielleicht so wirken, aber wir haben keinen eindeutigen Nachweis. Und diese Art des Hinterfragens kam aus dem Protestantismus. Meine Liebe zu Jesus regte mich an, herausfinden, wer er war. Meine Liebe zu Gott zeigte mir, dass Jesus nicht Gott sein kann. Denn das wäre Polytheismus. Aber hier ist etwas Interessantes: Als ich begann zu praktizieren – das sollte ich erwähnen –, als ich begann, den Katholizismus zu praktizieren, wurde ich dann religiös, weil ich in jungen Teenagerjahren eine schlimme Erfahrung gemacht habe.
Aber derjenige, der mich meine Religion hinterfragen ließ, war mein Cousin. Er stellte mir die Frage: „Du glaubst daran, aber was sagst du dazu?“ Denn mein Cousin hatte viel mit Muslimen zu tun. Er sagte: „Aber was ist mit den Millionen Muslimen? Willst du behaupten, dass sie alle in die Hölle kommen? Dabei sind sie rechtschaffen.“ Mein Cousin war also viel mit Muslimen unterwegs, und er brachte mich in deren Umfeld mit hinein. Und sie stellten mir Fragen, was mich dazu brachte, in meiner Ausübung des Christentums mehr zu recherchieren. Aber in gewisser Weise war er es, der mir einen tieferen Zugang zum Islam verschaffte. Und eine Zeit lang legte er die Shahada nicht ab.
Als ich meine Shahada sprach, begann ich mit der Hälfte der Shahada: La ilaha illallah (Es gibt keinen Gott außer Allah). Uns wurde gelehrt, dass nach Jesus kein Prophet mehr kommt. Also hatte ich Fragen. Ist der Prophet Muhammad der „Dajjal“ (Antichrist)? A'udhu billah (Ich suche Zuflucht bei Allah). War er – nach islamischem Verständnis – ein falscher Prophet? Denn uns wurde beigebracht, dass jeder, der nach Jesus kommt, ein falscher Prophet sei. Also bekam ich Angst und dachte: Moment mal.
Aber die Einheit Gottes, wenn man in die Bibel schaut – da steht: „Höre Israel, der Herr, dein Gott, ist einer.“ Und wenn man die Zehn Gebote anschaut, lehren sie, dass man keine anderen Götter neben Gott haben soll – was im Grunde die Shahada ist. Also sagte ich: „Bis hierhin gehe ich mit.“ Aber für Muslime ist das nicht akzeptabel. Denn sie wollen, dass man die ganze Shahada annimmt. Doch ich sagte: „Ich komme bis hierher mit und der Rest kommt später.“ Weil ich daran glaubte und davon überzeugt war. Ich durchlief eine Krise, als ich das Priesterseminar verließ. Ich hatte bereits den Buddhismus studiert und andere christliche Richtungen. Ich glaubte an die Propheten.
Ich wollte das nicht aufgeben, aber wusste nicht, wohin es geht. Und ich wollte kein Atheist sein. Ich hatte nicht das Gefühl, zur jüdischen Gemeinde zu passen, weil deren Zugehörigkeit auf Abstammung basiert. Wissen Sie, man muss Teil ihrer Ethnie sein. Und das ist eine Tatsache. Also sagte ich: „Das Einzige, was bleibt, ist der Islam.“ Ich nehme diesen Teil an und kümmere mich später um den Rest. Dann, als ich begann, mehr darüber zu lernen, wurde vieles für mich immer klarer. Ich war mir nicht sicher, wer Jesus war, und auch nicht über den Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm. Aber ich war mir sicher: La ilaha illallah.
Und dann wurde mir der Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, nach und nach immer klarer. Was hat Sie dann davon überzeugt, dass der Prophet Muhammad FSMI wirklich ein Prophet Gottes ist? Was haben Sie gelernt, das Sie so denken ließ? Als ich begann, das Leben des Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, zu studieren, war das ein Wendepunkt. Obwohl ich meine Bedenken hatte bezüglich der Art, wie wir die Sirah (Biographie des Propheten) behandeln. Wir müssen aufpassen, wie wir mit ihr umgehen. Das ist für Muslime sehr wichtig.
Denn bei der Sirah, dem Aufbau der Sirah, wirkt es, als sei der Prophet, Friede sei mit ihm, geboren worden, dann kam seine Jugend, dann hatte er eine Begegnung mit Gott, und wurde ein Prophet, und dann begann er mit der Da'wah, und gründete dann eine Gemeinschaft. Von da an, in diesem gesamten Prozess der Gemeindebildung sieht man dann die Ghazawat (Kriegszüge/Expeditionen). Es werden all diese Schlachten erwähnt. Das stellt den Propheten so dar, als sei er hauptsächlich ein Krieger. Das ist eine Facette, aber es ist auch wichtig für uns Muslime, einen Schwerpunkt darauf zu legen, wie der Prophet mit Menschen umging, mit seinen Feinden, mit Andersgläubigen. Das ist doch entscheidend, oder?
Diese Facetten – das Mitgefühl des Propheten, Friede sei mit ihm, seine Rolle als Anführer, seine Rolle beim Schaffen von Gerechtigkeit – das waren Dinge, die mich zunehmend überzeugt haben von der wahren Natur des Propheten ﷺ. Und auch die Tatsache, dass wir überlieferte Belege haben. Es gibt keine anderen Propheten oder Menschen überhaupt, zu denen es derart viele verifizierbare Quellen gibt. Die wir wirklich prüfen können. Das ist nichts, woran wir glauben sollen, nur auf Grundlage von Vorstellungskraft oder blindem Glauben ohne Belege. Aber gleichzeitig wissen wir auch, dass der Islam oft missverstanden wird.
Die Darstellung des Islams wird oft noch im Sinne von „Islam gegen den Rest der Welt“ gezeichnet. Zum Beispiel Henry Kissinger – er vertrat die Auffassung, dass der Islam eine kriegerische Religion sei. Und die Darstellung des Islams durch Orientalisten wirkt bis heute nach. Die Menschen denken beim Islam nicht an Leute, die freiwillig zum Islam übertreten. Sie glauben, der Islam sei mit dem Schwert verbreitet worden. Das ist eine weitverbreitete Vorstellung. Die historische und die kulturelle Seite sowie auch der zivilisatorische Aspekt des Islams stehen dabei nicht im Vordergrund.
Für uns – für mich – mit lateinamerikanischem Hintergrund, ist das besonders wichtig, weil das Christentum bei uns mit dem Schwert aufgezwungen wurde. Wie haben denn Ihre Familie und Ihr Umfeld darauf reagiert, dass Sie zum Islam konvertiert sind? Das war sehr schwer, weil ich aus einem christlichen Umfeld kam. Und ein paar Jahre später kam dann auch noch der 11. September. Wissen Sie, das hatte sich aufgebaut. Ich war schon eine Weile Muslim, aber dann kam der 11. September, und ich hatte keine besonders gute Beziehung zu meiner Familie. Meine Mutter hat mich praktisch verstoßen, besonders als ich geheiratet habe.
Ich habe eine Zeit durchgemacht, in der meine Mutter mich abgelehnt hat, und wenn ich mit ihr darüber sprach, war das Thema Religion immer ein Problem. Früher war das nicht so, aber sie hat in unseren Gesprächen immer deutlich gemacht, dass es irgendwann darauf hinauslaufen würde, dass Jesus Gott sei. Und wenn ich das nicht akzeptierte, dass Jesus Gott sei, dann sei das ein Problem. Denn aus ihrer Sicht war ich ein Murtadd (Glaubensabtrünniger). Ich hatte den Glauben verlassen. In der puertoricanischen, besonders der katholischen Kultur ist das dasselbe. Wenn man den Katholizismus verlässt, ist das wie, als ob man das Puertoricanischsein verlässt.
Ich meine, als wäre man kein Puertoricaner mehr. Das war also ein großer Konflikt. Als ich heiratete, stellte ich meiner Frau meine Großmutter vor, weil meine Großmutter eine sehr gläubige Katholikin war. Sie war aktiv in der Kirche, nicht nur gewöhnliches Mitglied. Sie war engagiert, hatte eine gewisse Führungsrolle. Als sie meine Frau mit dem Hijab (Kopftuch) sah, sagte sie: „Das ist der richtige Weg.“ Anfangs sprach sie nicht mit mir, und dann war die Kommunikation sehr minimal – bis zum Ende hin. Dann änderte sich das mit meinen Kindern. Als meine Kinder geboren wurden, gab es eine gewisse Zeit, in der sie sich fernhielt.
Aber ich musste kämpfen, damit sie eine Beziehung zu meiner Mutter hatten. Dann änderte sich etwas. Dann wurde die Kommunikation viel besser. Die muslimische Ummah (Gemeinschaft) wurde zu meiner Mutter. Es ist bis heute sehr schwer. Das hat mich für andere Menschen sensibilisiert. Dadurch wurde ich mitfühlender gegenüber anderen. Ich habe in dem Bereich noch Entwicklungsspielraum, aber das hat mich sensibler gemacht. Ich habe mich dadurch sehr auf die muslimische Gemeinschaft gestützt, vielleicht mehr, als gut war. Aber es zwang mich definitiv dazu, mich auf die muslimische Gemeinschaft zu stützen, weil sie zu meiner Familie wurde.
Die muslimische Gemeinschaft wurde meine Familie, sie wurde mein Zufluchtsort. Und ist jemand aus Ihrer Familie, also aus dem erweiterten Kreis, nach Ihnen zum Islam übergetreten? Mein Cousin wurde Muslim, derjenige, der mich inspiriert hat, zum Islam zu finden. Er war wie ein Bruder für mich. So etwas wie ein Cousin-Bruder. Wir sind zusammen aufgewachsen, aber er wurde nicht Muslim, als ich es wurde. Ich dachte, er würde auch Muslim werden. Aber er hatte weiterhin mit vielem zu kämpfen. Ich war auf meinem Weg, studierte den Islam und machte Da'wah und so weiter. Ich musste einfach weitermachen. Es war nicht leicht.
Es war schwer, weil ich mich wie aus meiner Familie gerissen fühlte, aus meiner Gemeinschaft und allem anderen. Und dann hat man das Gefühl: Ja, da ist noch jemand, wissen Sie, noch einer, der Muslim wurde. Meine letzte Fragen: Was hat Sie am meisten beeindruckt am Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm, an seinem Leben? Der Prophet, Friede sei mit ihm, konnte eine Gemeinschaft und Gesellschaft des Glaubens und der Gerechtigkeit aufbauen. Genau damit kämpfen heutzutage sehr viele Leute. Was ist der Sinn des Lebens? Wie schafft man Gerechtigkeit? Auf allen Ebenen: politisch, wirtschaftlich. Wie gehen wir mit Unterschieden um?
Die moderne Welt würde gut daran tun, das Leben des Propheten Muhammad, FSMI, aus diesem Blickwinkel zu studieren. Wie sieht gute Menschenführung aus? Denn es gibt eine direkte Beziehung zwischen Glauben und Leben. Und dieses Modell. Das war mein innerer Kampf. Sie haben gesagt, Sie hätten viele Religionen untersucht – warum der Islam aus hunderten Religionen? Einfachheit des Glaubens, Authentizität der Quellen, praktische Anwendbarkeit im Leben. Der Islam behandelt jeden Aspekt des Menschen. Der Islam ist die einzige Religion auf der Welt, das weiß ich sicher, die jeden Aspekt des Menschen behandelt. Und die gesamte Menschheit einschließt.
Er basiert nicht auf einer Ethnie, einem Stamm oder einer Rasse, sondern gilt für alle, gibt Anleitung für jede Ebene des Lebens. Feiert das Leben. Das Leben ist sehr schön und positiv. Der Mensch ist gut. Der Ursprung des Menschen ist sehr optimistisch, sehr hoffnungsvoll in dieser Hinsicht. Stellen Sie sich vor, ein Christ käme zu Ihnen. Wie würden Sie den Islam in nur einer Minute kurz beschreiben? Ich sage immer: Islam ist, wie in einer Kapsel, das, was wir in den Zehn Geboten haben: Nur Gott anbeten und keinen anderen Gott neben Ihm. Keine Götzen anbeten. Die Realität von Jesus bestätigen, seine Lehren anerkennen, die Mission Jesu erfüllen. Jesus wies immer auf Liebe und Mitgefühl hin.
Und das lernt man perfekt im Leben von Prophet Muhammad, Friede sei mit ihm, der für die ganze Menschheit da ist. Und Jesus lehrte die Einheit Gottes und nur Gott anzubeten und einen einfachen Glauben, ein einfaches Leben zu führen. All diese Dinge findet man im Islam noch klarer wieder. Jesus war Muslim. Er unterwarf sich Gott. Muslim bedeutet einfach, sich dem Willen Gottes zu fügen. Jesus tat genau das, ja. Und zuletzt, wenn Sie die Möglichkeit hätten, zu allen Nicht-Muslimen der Welt zu sprechen, was würden Sie ihnen sagen, wenn Sie nur wenige Momente hätten?
Verweigere dir nicht die Begegnung mit dem Koran, der einzigen authentischen Offenbarung auf der Erde seit Anbeginn der Zeit, die Offenbarung an uns bis heute ist unverändert geblieben und ihre Sprache ist zugänglich. Verweigere dir nicht die Begegnung mit dem Propheten Muhammad, Friede sei mit ihm. Das sind zwei grundlegende Dinge. Und zum Schluss noch, Islam als Zivilisation, nicht nur als religiöse Praxis, sondern der Islam mit Einfluss auf die Zivilisation hat der ganzen Menschheit viel zu bieten. Nimm davon, was dir nützt. Ich denke, das sind die drei wichtigsten Kernbotschaften, die ich Menschen auf der ganzen Welt mitgeben würde.