Towards Eternity
Zurück zum Blog

"Aus Hass br*ch ich einem Muslim Nase und Rippe“ – Brasilianer wird Muslim

Veröffentlicht am

Auf YouTube ansehen

Ich komme aus einer katholisch-buddhistischen Familie. Das erste Mal hörte ich vom Islam während der Anschläge vom 11. September. Muslime waren Terroristen. Muslime waren gefährlich. Da war dieser Typ namens Muhammad, der mir langsam auf die Nerven ging. „Hey, Kumpel, du legst dich mit dem Falschen an, und außerdem bist du auch noch Muslim. Also zeige ich dir mal, wo dein Platz ist.“ Am Ende hatte ich ihm tatsächlich zwei blaue Augen verpasst, die Nase gebrochen und auch eine Rippe. Sein ganzes Hemd war voller Blut. „Wir laden dich zu unserer Walima ein, unserer Hochzeitsfeier in Marokko.“ Und obendrein brachte sie ihren Mann Simo Mohammed mit, einen langbärtigen Da'i (islamischen Prediger).

Und da saß ich, schaute fern und zappte durch die Kanäle. Gegen 3 Uhr morgens hörte ich diesen Bruder aufstehen. Und als ich dann „Allahu Akbar“ (Allah ist der Größte) hörte... erstarrte ich. Ich hatte Todesangst. Denn wir wissen ja alle, was nach „Allahu Akbar“ passiert: eine Explosion. Simo Mohammeds Silhouette wurde immer größer, ich hörte den Boden knarren, und er kam auf mich zu. Ich weiß noch, wie seine große Hand ganz deutlich vor mir auftauchte... Als ich aus Marokko zurückkam, war meine Begeisterung für den Islam 10x größer.

Wenn jemand anfing, schlecht über den Koran zu reden, sagte ich: „Wann hast du das Buch zuletzt aufgeschlagen?“ – „Noch nie!“ – „Dann halt den Mund.“ Direkt nachdem der Film vorbei war, rief ich Usama an und sagte: „Usama, hey Bruder, ich bin jetzt Muslim.“ As-salamu alaykum (FSMI), Bruder Eduardo Dos Anjos. Vielen Dank, dass Sie heute bei uns bei Towards Eternity sind. Wir freuen uns sehr, Sie hier zu haben. Es ist mir eine Ehre und Freude. Wa 'alaykum as-salam (und mit Ihnen sei Frieden und Allahs Barmherzigkeit). Danke für die Einladung. Ich fühle mich geehrt. Ich möchte mit der Frage beginnen: Wer ist Eduardo Dos Anjos? Können Sie uns kurz von Ihrem Leben erzählen?

Ich wurde in Brasilien geboren und zog mit zwei Jahren nach Kanada. Ich komme aus einer katholisch-buddhistischen Familie und wuchs mit Hass auf Muslime auf. Doch irgendwann verliebte ich mich in den Islam. Welche Rolle spielte der Glaube in Ihrem Leben? Woran haben Sie damals geglaubt? Ja, ich komme aus einer brasilianisch-katholischen Familie. Mein Vater hingegen war ein minimal praktizierenderer Katholik, aber eher jemand, der sonntags zur Kirche ging und unter der Woche vergaß, dass er Katholik war. Da meine Mutter Buddhistin war, gab es bei uns zu Hause auch einen gewissen buddhistischen Einfluss. Mein Vater stellte sich seinen Glauben also gewissermaßen selbst zusammen.

Er vermischte verschiedene Glaubenslehren. Was den Glauben betrifft, bin ich daher ehrlich gesagt ziemlich verwirrt aufgewachsen. Religion war für mich etwas sehr Mystisches. Ich fand sie durchaus interessant, nahm sie aber nicht besonders ernst. Gott hingegen war für mich eine allmächtige, bedeutende Kraft, an die man sich in seinen dunkelsten Momenten wendet. Mehr war es aber nicht. Auch mit dem Christentum fühlte ich mich, ehrlich gesagt, nie wirklich wohl. Es erfüllte nicht mein intellektuelles Bedürfnis, den Glauben logisch nachvollziehen zu können. Verstehen Sie? Für mich ergab die Vorstellung eines dreieinigen Gottes keinen Sinn. Ich konnte das überhaupt nicht nachvollziehen.

Wie haben Sie erstmals vom Islam erfahren? Hatten Sie irgendwelche Vorurteile? Das Interessante an meiner Geschichte ist, dass ich erstmals vom Islam hörte, als der 11. September geschah. Zumindest war es das erste Mal, dass ich mich ernsthaft damit befasste. Muslime waren Terroristen. Muslime waren gefährlich. Diese Menschen waren Barbaren, die ins Gefängnis gehörten – wenn nicht Schlimmeres. Wie viele andere machte auch ich es mir mit meinem Urteil viel zu einfach. Und so wurde ich zu einem überzeugten Islamfeind. Nachdem ich diese Bilder gesehen hatte, war es natürlich so, dass ich in der Schule bei Begegnungen mit muslimischen Mitschülern Wut und Hass ihnen gegenüber empfand.

Und ich hatte das Bedürfnis, ihnen zu zeigen, wo ihr Platz war. In der Schule war ich ganz vorne dabei, wenn es darum ging, Muslime einzuschüchtern und zu schikanieren. Ich erinnere mich noch genau, wie ich einmal im Unterricht saß und direkt vor mir dieser Typ namens Abdul saß, vor dem ich mich regelrecht ekelte, nur weil er Muslim war. Was könnte ich tun, um ihm zu zeigen, wo sein Platz ist? Warum zünden wir nicht seine Haare an? Also nahm ich ein Feuerzeug und zündete ihm tatsächlich die Haare an. Er ging an diesem Tag nach Hause und kam nie wieder in die Schule zurück. Ich weiß noch, wie ich im Bus so tat, als wäre ich ein Selbstmordattentäter, und dann... Boom!

Um die Leute zum Lachen zu bringen und den Muslimen zu vermitteln: „Hey, ihr seid doch Idioten. Ihr bringt euch im Namen eurer Religion selbst um.“ Im Grunde war es einfach eine Gelegenheit, sie lächerlich zu machen. Da war dieser Typ namens Muhammad, der mir langsam auf die Nerven ging, und ich nutzte die Gelegenheit, um ihm unmissverständlich klarzumachen: „Hey, Junge, du legst dich mit dem Falschen an, und außerdem bist du auch noch Muslim. Also zeige ich dir mal, wo dein Platz ist.“ Am Ende hatte ich ihm tatsächlich zwei blaue Augen verpasst, die Nase gebrochen und auch eine Rippe. Sein ganzes Hemd war voller Blut, und ich spürte noch das Adrenalin, das durch meine Adern schoss.

Es war fast so, als wäre alles in einer Sekunde passiert. Die Polizei kam zur Schule, um mich festzunehmen. Am nächsten Tag holten sie mich aus dem Matheunterricht und sperrten mich ein. Mein Vater holte mich ab, und ich musste sogar vor das Jugendgericht. Ich musste Sozialstunden leisten und an einer Gruppentherapie teilnehmen, damit aus mir hoffentlich irgendwann ein gewaltfreier Mensch werden würde. Und damals stand die Schule sogar hinter mir. Sie half mir mit einem Anwalt und stellte sich tatsächlich auf meine Seite, nicht auf seine. Wenn man darüber nachdenkt, ist das ziemlich traurig, denn ich selbst hielt mich nicht für einen gewalttätigen Menschen.

Aber genau das kann Propaganda bewirken. Ich war ein schwieriger Jugendlicher, aber ein solches Ausmaß an Gewalt passte eigentlich überhaupt nicht zu mir. Wie begann Ihre Geschichte auf dem Weg zum Islam? Meine Konversion zum Islam war, ehrlich gesagt, ein Wunder. Ich befand mich an einem dunklen Punkt im Leben. Ich hatte jegliche Lebensfreude verloren. Ich war nicht suizidgefährdet, aber ich dachte: Wenn mich ein Auto erwischen würde, wären damit viele Probleme gelöst. Aber es gab eine Grenze, die mich davon abhielt, jemals so etwas Unüberlegtes zu tun.

Diese Grenze war: „Ich kann meine Mutter nicht zum Weinen bringen.“ Doch in diesen verzweifelten Momenten, in denen ich mich innerlich völlig leer fühlte, schaute ich einfach zum Himmel und hinauf zum Mond und bat Gott, mir die Wahrheit zu zeigen. Das war das Erste, worum ich bat. Und ich bat Ihn, mir die Wahrheit zu zeigen, indem Er mir jemanden schickt, der mich mit einer Gemeinschaft zusammenbringen würde, in der ich eine Partnerin finden könnte, die mich durchs Leben begleitet. So sah mein Leben damals aus. Jeden Tag war ich mit meiner Skater-Clique auf der Straße unterwegs, machte Blödsinn, sprühte Graffiti, rauchte und trank.

Ein paar Jahre später, in der Abschlussklasse, lernte ich einen Typen namens Usama kennen. Usama war dieser schräge, lustige und charismatische Typ, der aus dem Nichts auftauchte. Er war Austauschschüler – der erste, den ich je erlebt hatte. Zum ersten Mal kam ein Austauschschüler an unsere Highschool. Als ich ihn sah, dachte ich mir: „Er ist irgendwie seltsam, aber interessant. Und er ist lustig.“ Eines Tages standen wir nach einem Fußballspiel Schlange, um etwas zu trinken, und Usama stand direkt vor mir. Gerade als er Wasser trinken wollte, hielt er im letzten Moment inne. Das nervte mich total, weil ich selbst wahnsinnig durstig war. Also sagte ich: „Bruder, geh aus dem Weg.

Ich will was trinken. Was machst du da?“ Und er sagte: „Ich faste. Wir Muslime sind nämlich echte Männer. Wir haben Selbstbeherrschung. Einen ganzen Monat lang essen und trinken wir tagsüber nichts. Ihr Christen seid schwach. Ihr macht einfach, was ihr wollt, wann immer ihr wollt. Und ihr tut so, als wärt ihr gläubig. Wir sind die wahren Gläubigen.“ Da fragte ich ihn: „Du meinst also, wenn ich fasten wollte, würde ich es nicht schaffen?“ Er sagte: „Genau.“ In diesem Moment beschloss ich, diesem Typen zu beweisen, dass ich locker schaffen konnte, was er schaffte. Also verbrachte ich die Mittagspausen mit ihm, nur um es ihm zu beweisen.

Als ich nach Hause kam und endlich etwas essen durfte, geschah etwas, das mich völlig veränderte. Ich war so hungrig, und als ich allein in meinem Zimmer aß, war ich plötzlich so dankbar für dieses Essen, dass ich einfach anfing zu weinen. Während ich weinte und mir mit dem Hemd die Tränen abwischte, sah ich es an und dachte: „Ich habe eine Schuluniform, weil ich auf eine Privatschule gehe.“ Und plötzlich führte ein Gedanke zum nächsten: „Ich bekomme eine gute Schulbildung? Mein Gott. Moment mal. Ich habe ein Dach über dem Kopf?!“ Ich schaute zur Decke und wurde emotional immer mehr überwältigt. Es war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Dann fragte ich mich: „Wer bezahlt das alles?

Meine Mutter. Ich habe eine Mutter. Wann habe ich meine Mutter zuletzt umarmt? Wann habe ich zuletzt... ...meiner Mutter gesagt, dass ich sie liebe? Also stürmte ich ins Zimmer meiner Mutter, um ihr zu sagen, wie sehr ich sie liebe. Ich sagte: „Mama, bitte verzeih mir. Ich verspreche, ein besserer Sohn zu sein.“ Ich weinte und schluchzte nur, und sie sah mich an und fragte: „Eduardo, bist du betrunken?“ Ich sagte: „Nein, Mama, bin ich nicht. Mir ist nur klar geworden, dass ich kein guter Sohn war. Ich verspreche, mich zu bessern.“ Also ging ich mit dieser Erkenntnis zurück in mein Zimmer, und wurde neugierig darauf, was ich noch alles von dieser lebensverändernden Religion lernen könnte.

Ich fing an, mich darauf einzulassen. Und während ich diese Religion kennenlernte, spürte ich bereits diese verändernde Kraft, die mein Herz mit Dankbarkeit erfüllte, meine Wunden heilte und die Beziehung zu meiner Mutter verbesserte. Was könnte sie noch zum Besseren verändern? Wie könnte sie mich noch zu einem besseren Menschen machen? Ich lernte Usama immer besser kennen, und je mehr ich über seine Geschichte erfuhr, desto interessanter fand ich ihn. Meine Freunde hingegen waren davon überhaupt nicht begeistert. Sie sagten immer wieder zu mir: „Der Typ ist total nervig. Häng nicht mit ihm rum. Du gehörst doch zu den coolen Leuten.

Damit ruinierst du noch deinen Ruf.“ Und ich sagte nur: „Ich mag den Typen.“ Ich wusste nicht warum, aber ich mochte ihn. Eines Tages rief er mich an und sagte: „Hey, Bruder, meine Schwester ist hier allein als ausländische Studentin in Montreal, und sie ist wirklich traurig, weil sie Geburtstag hat und niemand da ist, um mit ihr zu feiern. Ich dachte, wir könnten etwas für sie organisieren.“ Ich sagte: „Ja, kein Problem. Du bist mein Kumpel, ich kümmere mich darum. In dem mexikanisch-brasilianischen Restaurant meines Vaters bekommt sie eine VIP-Behandlung.

Wir bereiten etwas für sie vor, dann wird sie sich freuen.“ Als ich sie dann persönlich im Restaurant kennenlernte, bemerkte ich, dass sie einen Hijab trug. Und das war mir äußerst unangenehm. Obendrein brachte sie ihren Mann mit, Simo Mohammed, einen langbärtigen Da'i, also jemanden, der Menschen professionell zum Islam einlädt. Ich weiß noch, wie sehr mich das störte, aber ich wollte mich damit arrangieren, weil Usama, wie gesagt, inzwischen ein Kumpel war, den ich wirklich mochte. Damals war er bereits mein bester Freund, also musste ich da wohl oder übel mitziehen. Ich dachte, ich würde die beiden zum letzten Mal sehen. Ich ahnte nicht, dass sie schon Pläne hatten.

Aber auch Gott hatte einen Plan. Sie sagten: „Eduardo, du hast uns so unglaublich gastfreundlich empfangen, das müssen wir wiedergutmachen. Also laden wir dich nach Sherbrooke ein.“ Das ist eine Stadt etwa anderthalb Stunden von Montreal entfernt. „Und außerdem laden wir dich zu unserer Walima ein, also zu unserer Hochzeitsfeier in Marokko, um uns für deine große Gastfreundschaft zu bedanken.“ Ich sah Usama an und meinte: „Ja, klar, lass uns hinfahren!“ Ein paar Wochen später war ich dann in Sherbrooke. Ich war gerade mal 16 und zum ersten Mal dort. Zum ersten Mal war ich von zu Hause weg und übernachtete woanders, und die ganze Situation war mir unglaublich unangenehm.

Aber ich zog wieder mit, weil Usama mein Kumpel war. Usamas Vater holte mich am Flughafen ab, stellte sich aber nie als sein Vater vor. Er sagte: „Ich bin hier, um für dich da zu sein. Ich werde mich um dich kümmern, als wärst du mein eigener Sohn.“ Er war schlicht gekleidet. Auch sein Auto war schlicht. Und seine Umgangsformen waren tadellos. Ich beobachtete das alles und war vollkommen beeindruckt. Noch beeindruckender war es, Usamas Vater auf den Knien zu sehen, wie er dem Gärtner beim Pflanzen der Blumen half, dann in die Küche ging und dort dem Koch zur Hand ging, obwohl ein riesiges Team die Hochzeitsfeier vorbereitete, die auf dem Anwesen der Familie stattfinden sollte.

Und dann sah ich diesen Mann, der so viel Bescheidenheit ausstrahlte. Da war jemand, der ganz offensichtlich wohlhabend war, und sich dennoch so bescheiden verhielt und anderen bereitwillig diente. Das stellte meine Vorstellung davon, was einen echten Mann ausmacht, völlig auf den Kopf. Meine Vorstellung von Erfolg geriet ins Wanken. Trotzdem war ich völlig paranoid und misstrauisch und dachte: „Ich durchschaue diese Leute. Sie wollen nur, dass ich meine Wachsamkeit verliere, damit sie, wenn ich schlafe, mir die Kehle durchschneiden können.“ Diese Paranoia machte es mir unmöglich, mich auch nur einen Moment zu entspannen.

Ich sagte mir: „Sei kein Idiot.“ Dann gab es eine kleine Diskussion, weil sie unbedingt wollten, dass ich im Hauptschlafzimmer schlafe, weil ich ihr Ehrengast war. Am Ende setzte ich mich durch, indem ich sagte, ich hätte Schlafprobleme und würde auf der Couch schlafen. Das sei völlig in Ordnung. Damit hatte ich die Diskussion gewonnen. Also lag ich da, schaute fern und zappte durch die Kanäle. Ich weiß nicht mehr genau, wie spät es war, aber ich würde sagen, gegen 3 Uhr morgens. Da hörte ich diesen Bruder aufstehen. Und sobald ich hörte, wie er langsam wach wurde, begann mein Herz wie wild zu schlagen. Und als ich dann „Allahu Akbar“ (Allah ist der Größte) hörte... erstarrte ich.

Ich hatte Todesangst. Denn wir wissen ja alle, was nach „Allahu Akbar“ passiert. Man sieht es ständig im Fernsehen: Irgendwo gibt es eine Explosion. In meinem Kopf vollzog dieser Typ gerade seine religiösen Rituale, um sich darauf vorzubereiten, mir die Kehle durchzuschneiden und seinem Gott ein Opfer darzubringen oder was auch immer er vorhatte. Ich wusste es nicht, aber nichts Gutes, denn „Allahu Akbar“ war für mich damals etwas äußerst Negatives. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich fragte mich: „Warum bist du hergekommen, Eduardo? Du bist so ein Idiot!

Du weißt, dass diese Leute gefährlich sind, und jetzt sitzt du hier fest und wirst gleich umgebracht!“ Ich weiß noch genau, wie ich Gott darum bat, mich aus dieser aussichtslosen Lage zu retten. Ich betete und flehte Gott um Hilfe an. Simo Mohammeds Silhouette wurde immer größer, ich hörte den Boden knarren, während er auf mich zukam, und ich weiß noch, wie seine große Hand ganz deutlich vor mir auftauchte. Er nahm eine Decke und deckte mich damit zu, machte das Licht und den Fernseher aus und ging wieder schlafen. In genau diesem Moment wusste ich tief in meinem Herzen: Diese Menschen können unmöglich schlechte Menschen sein.

Meine Mutter sagte mir immer: Wenn du wissen willst, wer du bist, musst du darauf achten, wie du dich verhältst, wenn niemand zusieht. Das ist dein wahres Wesen. Und hier war nun dieser Bruder, der mitten in der Nacht, wenn niemand zusah, aufstand, um mit seinem Herrn zu sprechen und Zwiesprache zu halten. Und dieses Gebet bewegte ihn dazu, seinem Gast etwas Gutes zu tun, obwohl er ohnehin schon alles getan hatte, um mich wie einen Ehrengast zu behandeln. Ich schämte mich in diesem Moment für mich selbst, denn ich wusste, dass ich nicht mit Vorurteilen erzogen worden war. Ich wusste, dass ich nicht zum Rassisten erzogen worden war. Und ich wusste, dass ich es besser konnte.

Ich fühlte mich einfach vollkommen... ich glaube, das richtige Wort ist: beschämt. Das war das erste Mal, dass Allah mein Herz für den Islam öffnete und auch für die Muslime. Am nächsten Tag sagte Simo Mohammed, dass er zum Freitagsgebet gehen würde, dem verpflichtenden Freitagsgebet für muslimische Männer. Dann kam er auf mich zu und fragte, ob ich mitkommen wolle. Ich sagte: „Natürlich komme ich mit.“ Es war das erste Mal, dass ich eine Moschee betrat, und ich weiß noch, wie beeindruckt ich war, als ich all diese Menschen in dieser schlichten, andächtigen Umgebung sah, wie sie ihre Stirn, ihr Gesicht, den ehrwürdigsten Teil ihres Körpers, auf den Boden legten, um ihren Herrn anzubeten.

Zum ersten Mal in meinem Leben betete ich und fühlte mich danach wie neu belebt. Ich wusste nicht, was ich da tat, aber Gott hatte mich in dieses Umfeld geführt, in dem ich tief in mir spürte, wie ich wieder zum Leben erwachte. Keine Bilder. Es gab keine Stühle, keine Bänke, da war nichts außer einer Umgebung, in der man sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren konnte. Auf wen konzentrieren? Auf Gott. Usamas Bruder ging dabei so einfühlsam vor, dass er mir als Christen tatsächlich das Gefühl gab, dass er mich und meinen Glauben achtete. Denn er erklärte mir, dass Jesus – 'Isa (Jesus) – im Koran 25-mal häufiger erwähnt wird als Muhammad (FSMI).

Er sagte: „Wir haben sogar eine Sure, die Maryam (Maria) heißt, und wir Muslime haben großen Respekt vor Christen, weil wir glauben, dass auch die Bibel ursprünglich Teil der Offenbarung war, im Laufe der Geschichte aber leider verfälscht und verändert wurde. Wir wissen jedoch nicht, welche Teile verändert und welche bewahrt wurden, deshalb müssen wir das gesamte Buch respektieren.“ Ich dachte: Wow, diese Menschen achten uns. Sie machen uns nicht schlecht. Den ganzen Tag hörte ich nur, wie Christen über Muslime herzogen, und hier sprachen Muslime mit so viel Respekt über Christen. Da begann ich, diese Menschen und ihre Lebensweise immer mehr zu schätzen.

Und als ich dann aus Marokko zurückkam, war meine Begeisterung für den Islam 10x größer. Wann immer jemand in meinem Umfeld schlecht über Muslime oder den Islam redete, ging ich sofort dagegen an. Wenn jemand anfing, über den Koran herzuziehen, fragte ich: „Wann hast du ihn zuletzt aufgeschlagen? Noch nie? Dann halt den Mund.“ Ich verteidigte Muslime also auf eine ziemlich aggressive und direkte Art. Manche fragten mich sogar: „Eduardo, bist du Muslim? Was ist denn mit dir los? Du hast dich verändert.“ Und ich begann zu fasten. Übrigens fastete ich schon, bevor ich zum Islam konvertierte. Ich hatte bereits zweimal gefastet.

Die Leute sahen es also irgendwie kommen und vermuteten bereits, dass es irgendwann passieren würde. Nur ich selbst wusste es nicht. Bis zu dem Moment, in dem ich mich entschied, zum Islam zu konvertieren, hatte ich keine Ahnung, dass es dazu kommen würde. Dann stieß ich auf die Geschichte von Malcolm X. Und Malcolm X gab mir den Mut, zum Islam zu konvertieren, denn die Geschichte dieses Mannes ist eine eindringliche Erinnerung daran, dass es im Leben nicht darum geht, nach Sicherheit zu suchen, oder nach Bequemlichkeit, sondern nach der Wahrheit.

Und er tat das sein ganzes Leben lang mit einer solchen Furchtlosigkeit, dass er für mich zum Sinnbild von Mut wurde und dafür, was wahre Männlichkeit in unserer heutigen Zeit bedeutet. Direkt nachdem der Film vorbei war, rief ich Usama an und sagte: „Usama, hey Bruder, ich bin jetzt Muslim.“ Und Usama rief: „Allahu Akbar, Takbir (Allah ist der Größte)!“ Er war völlig begeistert und schrie, und plötzlich sprach er mit mir, als wäre ich längst Muslim. Er sagte zum Beispiel: „Masha'Allah (wie Allah es gewollt hat).“ So etwas hatte ich ihn vorher nie sagen hören, denn er achtete immer sehr darauf, welche Worte er mir gegenüber benutzte.

Dann fragte er: „Hast du schon deine Shahada (islamisches Glaubensbekenntnis) gesprochen? Das ist ja großartig. Erzähl mir mehr.“ Ich sagte: „Meine was? Shahada?“ Ich dachte, das wäre irgendein Essen, das ich essen müsste, so wie Shawarma. Also fragte ich: „Was ist das? Ich bin doch gerade Muslim geworden. Wovon redest du?“ Er sagte: „Nein, du musst noch deine Shahada sprechen.“ „Was ist das?“ Er erklärte mir: „Das bedeutet, dass du das Glaubensbekenntnis ablegen musst.“ Also legte ich mein Glaubensbekenntnis mit ihm am Telefon ab.

Dann sagte Usama: „Ich nehme dich mit in die Moschee.“ Also war ich mit ihm in der Moschee, im ICQ, dem Islamic Center of Quebec, und als ich dort meine Shahada sprach, sah ich mich plötzlich um und sah nur Bengalen, Pakistaner, Inder und Araber. Das war ein gewaltiger Kulturschock für mich. Ich weiß noch, wie ich dachte: „Eduardo, weißt du eigentlich, worauf du dich da eingelassen hast? Das sind doch gar nicht deine Leute. Männer mit langen Bärten und Turbanen, sie trugen Kufiyas (traditionelle arabische Kopfbedeckungen) und Thobes (traditionelle arabische Gewänder).“ Ich hatte einfach das Gefühl, überhaupt nicht hierherzugehören.

Um das Ganze noch intensiver zu machen, kamen nach meiner Shahada all diese Männer auf mich zu, umarmten und küssten mich. Ich weiß noch, wie mich das völlig überwältigte, denn ich hatte noch nie zuvor einen Mann umarmt. Verstehen Sie? Selbst meinen Vater umarmte ich kaum. Und jetzt kamen diese großen, bärtigen Männer auf mich zu, umarmten mich und küssten mich auf die Stirn. Für mich fühlte sich das wie ein Angriff auf meine Männlichkeit an. Aber diese Brüder waren so aufrichtig, hatten Tränen in den Augen und freuten sich so sehr, dass ich wusste, hier geschah etwas Besonderes, das ich in diesem Moment noch nicht verstehen konnte.

Als ich meine Shahada abgelegt hatte, kam ein Bruder auf mich zu, sah mir in die Augen und sagte: „Bruder, ich möchte dir einen sehr wichtigen Rat geben, und du sollst mir versprechen, ihn niemals zu vergessen: Schau auf den Islam und nicht auf die Muslime.“ Ich weiß nicht warum, aber ich spürte, dass er mir etwas Entscheidendes sagte. Ich nahm mir diesen Rat zu Herzen, und er hat meinen Glauben oft bewahrt.

In meinem persönlichen Fall war der wohl eindrucksvollste Moment, als sich meine Du'a (Bittgebet) auf vollkommene Weise erfüllte, denn ich hatte Gott um drei Dinge gebeten: Schick mir einen Fremden, der mir die Wahrheit zeigt, damit ich Teil einer Gemeinschaft werde, die der Wahrheit folgt, und eine Partnerin aus dieser Gemeinschaft finde, die mich mein Leben lang begleitet. Usama war dieser Fremde, der mir diese Botschaft brachte. Durch die Botschaft des Islam öffnete er mir den Weg in diese Gemeinschaft, und am Ende heiratete ich eine Marokkanerin. So etwas kann man sich nicht ausdenken.

Wie schwierig war es für Sie, nach den Regeln des Islam zu leben, Haram (Verbotenes) zu meiden, fünfmal täglich zu beten usw.? Tatsächlich war es so: Als ich zum Islam konvertierte, wurde ich nicht von heute auf morgen zu einem frommen Muslim. In der Woche darauf war ich am Strand und hatte meine Gebetsanleitung dabei, die ich kurz vor dem Flug ausgedruckt hatte. Damit versuchte ich am Strand zu lernen, wie man richtig betet, oben ohne, in Shorts, mit Ohrringen und einer Kappe auf. Verstehen Sie? Ich hatte wirklich zu kämpfen, aber ich gab mein Bestes. Muslim zu werden, gerade wenn man vorher so gelebt hat wie ich, ist buchstäblich, als müsste man das Leben neu lernen.

Es ist, als müsste ein Rechtshänder plötzlich alles mit links machen oder umgekehrt. Es fühlt sich völlig ungewohnt an. Was mir aber am meisten half, war, mein Umfeld tatsächlich zu verändern und mich an meiner Universität in der muslimischen Studentenvereinigung zu engagieren. So war ich von Menschen umgeben, die mir als Mentoren zur Seite standen. Trotzdem war es schwierig, weil ich mit vielen Muslimen nicht auf einer Wellenlänge lag. Man muss bedenken, das war kurz nach dem 11. September, und Muslime fühlten sich in der Rechtfertigungsposition, wenn es um ihren Glauben ging. Deshalb fiel es mir sehr schwer, enge Bindungen zu Muslimen aufzubauen.

Verstehen Sie mich nicht falsch, ich zweifelte nie am Islam. Davon war ich immer überzeugt. Aber ich hatte ernsthafte Zweifel, ob ich selbst die Kraft haben würde, diesen Weg als Muslim weiterzugehen, denn mein damaliges Umfeld machte es mir unglaublich schwer – ich schwamm ständig gegen eine Haram-Strömung an. Ich begriff: Gegen diese Strömung kannst du nicht anschwimmen. Du musst den Kurs ändern. Und genau das habe ich getan, alhamdulillah (Allah sei Dank). Ist nach Ihrer Konversion noch jemand aus Ihrem Umfeld Muslim geworden? Hat später jemand aus Ihrer Familie den Islam angenommen?

Ich hatte einen neuen Latino-Freund, der auch konvertiert war, und ich freute mich sehr, weil wir viel Zeit miteinander verbrachten und Spaß hatten. Eines Tages feierte er seinen Geburtstag bei sich im Keller mit einem anderen Typen, der auf meiner Highschool gewesen und sein bester Freund war. Wir waren also dort, in einem Umfeld, das nicht gerade halal (erlaubt) war. Da liefen einige Dinge, die nicht in Ordnung waren. Nachdem er die Fatiha (erste Sure des Korans) rezitiert hatte, kündigte er an, seinem besten Freund aus Québec, der auch mit mir befreundet war, das beste Geschenk zu machen, das man seinem besten Freund machen kann.

Ich beobachtete aus der Ferne und dachte: „Hoffentlich ist es nicht der Koran.“ Denn wenn er diesem Typen einen Koran schenkt, wird er die Seiten noch benutzen, um sich Joints daraus zu drehen, denn ich hatte diesen Kerl noch nie nüchtern erlebt. Er war ständig high oder betrunken. Also verurteilte ich ihn. Unser Freund aus Québec ging zu ihm und nahm das Geschenk entgegen. Auf dem Weg wäre er fast gestolpert, weil er betrunken war. Er sagte: „Oh, wow, danke. Das ist wirklich nett von dir.“ Dann öffnete er es, und ich sah, dass es der Koran war.

Ich dachte nur: „Was für eine Verschwendung.“ Einige Monate, vielleicht sogar ein Jahr später, war ich nach dem Abendessen in einer Moschee in der Nähe meiner Schwiegereltern. Wir hatten gerade das 'Isha (Nachtgebet) beendet, als mir jemand auf die Schulter tippte. Ich drehte mich um. Da stand genau der Typ, dem mein peruanischer Freund den Koran geschenkt hatte. Er sagte: „As-salamu alaykum, wie geht's dir?“ Und ich verstand überhaupt nicht, was hier gerade passierte. Es dauerte ein paar Minuten, bis mir klar wurde: Der Typ, der damals den Koran von meinem peruanischen Freund bekommen hatte, war zum Islam konvertiert.

Nachdem er mir seine neue Situation erklärt hatte, sagte ich als Erstes zu ihm: „Es tut mir leid. Ich muss ganz ehrlich sein. Ich hatte dich verurteilt und dachte, du würdest diesen Koran verschwenden und dir Joints daraus drehen.“ Ich entschuldigte mich sofort, denn wieder einmal zeigte sich: Man weiß nie, wen Allah rechtleiten wird. Was hat Sie am Propheten Muhammad (FSMI) am meisten beeindruckt? Unser geliebter Prophet Muhammad (FSMI) war für mich das Sinnbild von Männlichkeit und Charakterstärke. Es dauerte lange, bis ich wirklich verstand, welchen Einfluss seine Persönlichkeit auf die Welt hatte.

Denn wenn man beginnt, sich mit dem Islam zu beschäftigen, hört man oft, dass man ihn lieben soll. Aber jemanden kennenzulernen, braucht Zeit. Nachdem ich mehrere Biografien unseres Propheten Muhammad (FSMI) gelesen hatte, wurde mir klar, dass er Hujjat al-Islam ist, der Beweis für den Islam. Er selbst ist ein Wunder, durch seinen makellosen Charakter, seine Aufrichtigkeit, seine Demut und auch... Wie oft hat Allah (der Erhabene) ihn zurechtgewiesen? Und er nahm es nie persönlich. Er änderte sein Verhalten sofort. „Solange Du mit mir zufrieden bist, ist das alles, was ich will. Vergib mir.“ Stellen Sie sich vor, er – 'alayhi as-salat wa as-salam (FSMI) – käme jetzt hier herein.

Was wären die ersten Worte, die Sie zu ihm sagen würden? Ich glaube nicht, dass ich überhaupt sprechen könnte. Ich... ich weiß nicht einmal, ob ich ihn ansehen könnte. Wahrscheinlich würde ich seine Füße küssen. Ähm... Ja. Möge Allah uns erlauben, ihm in Jannah (Paradies) zu begegnen, Insha'Allah (so Allah will). Amin (Amen). Wenn Sie zu allen Nichtmuslimen auf der Welt sprechen könnten, vielleicht besonders zu Brasilianern und Kanadiern, was würden Sie ihnen in wenigen Minuten sagen wollen? Ich würde sagen: Gebt dem Islam eine Chance. Denn die Wahrheit ist: Islamfeindlichkeit wird gezielt geschürt. Sie ist nicht einfach zufällig entstanden.

Hinter dieser Maschinerie stehen Menschen, die unermüdlich daran arbeiten, die breite Masse darüber zu täuschen, wer Muslime sind und wofür wir stehen. Und als Gesellschaft, die stolz darauf ist, vernünftig und rational zu sein, sollten wir auch danach handeln und uns nicht manipulieren lassen von billiger Propaganda. Du bist zum Islam konvertiert, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Oder bist du schon dein ganzes Leben Muslim, möchtest aber neu anfangen und den Islam von Grund auf lernen? Genau dafür haben wir die Step-Islam-App entwickelt. Sie ist komplett kostenlos, werbefrei und vermittelt dir den Islam klar, einfach und strukturiert.

Du lernst die Grundlagen des Glaubens, wichtige Begriffe aus dem Koran und erledigst praktische Aufgaben, die dir Schritt für Schritt gute Gewohnheiten aufbauen. Lass den Schaitan dich nicht davon abhalten. Klicke auf den Link unten, lade Step Islam herunter, und mache heute deine ersten Schritte zum ewigen Glück.